Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 51 (1895)
- Issue
- 7 (1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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50 nicht erfüllen, weil sie unsere Ainder nur wenige Jahre und nur im Alter der Unreife zur Verfügung hat. Ihre Einwirkung ist aber vielfach auch darum gleich Null, weil ihr Lehrstoff und ihre Anschauungsweise oft in krassem Widerspruch steht mit der Anschauung und Übung im Elternhause und mit dem Leben, das der der Schule Entwachsene täglich vor Augen sieht." Zum Schluß mahnte der Redner die Männer, sich des Seelenheils der Frauen und Ainder ernstlich anzunehmen und ihnen die Schätze der jüdischen Religion zugänglicher und nutzbarer zu machen. Das einzige wahre Heilmittel für das kranke Israel wurde von keinem Mitgliede der Synode genannt. Als der Badenser Max Frommel, der WO als Generalsuperintendent in Eelle starb, noch Pfarrer zu Ispringen bei Pforzheim war, führte er einmal am Jom Aippur mit einem Israeliten während der gemeinsamen Eisenbahnfahrt ein Gespräch, in welchem er von der Sühne und dem Opfer als dem Mittelpunkt jeder Religion redete und endlich auf Christum hinwies als auf den Bürgen, welcher bei unserer Zahlungsunfähigkeit vor Gott für uns eintreten kann. Sein Wort haftete in der Seele des Reisegefährten, und mit herzlicher Danksagung schied dieser von ihm. O, daß ganz Israel erkennete, daß wir nicht durch die Arbeit der Selbstveredlung, sondern durch eine von oben kommende Araft, die uns über uns selbst hinaushebt, durch den Geist Jesu Christi, des Gekreuzigten und Auferstandenen, mit Gott versöhnt werden! Jur Seelenpsiege. Ein überaus köstliches Aleinod birgt der Menschenleib: die unsterbliche Seele. Den unendlichen Wert einer Menschenseele stellt das bekannte Wort Jesu ans Licht: „Was hülfe es dem Menschen, so er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele?" Die Berechnung des Gewinnes und des Verlustes hat in solchem Fall ein trauriges Ergebnis. Der Besitz aller irdischen Herrlichkeit kann für die Einbuße nicht entschädigen, welche der Verlierer einer Seele erleidet. Lege die Schätze der Erde, ihre perlen und Diamanten, ihre Aaiser- und Aönigskronen in die eine Schale der Wage und eine Menschenseele in die andere, so bildet diese ein so starkes Gegengewicht gegen alle jene Güter, daß die Schale, welche die letzteren trägt, hoch emporschnellt. Aber welch' ein befremdliches Schauspiel bietet sich uns nun dar! Inanbetracht des unvergleichlichen Wertes der Seele sollte man erwarten, daß jeder Besitzer dieses Schatzes ihn aufs sorgfältigste hüten werde. In Wirklichkeit behandelt jedoch die große Mehrzahl der Menschen das von Gott uns anvertraute, kostbare Gut mit unverantwortlichem Leichtsinn. Das Aind, dem die Mutter ein reines Gewand angezogen hat, sucht dasselbe rein zu behalten, und zwar nicht nur aus Furcht vor Strafe, sondern auch, wenn anders es im rechten Verhältnis zur Mutter steht, aus Liebe zu derselben. Wo sind die Erwachsenen, welche mit der gleichen Sorgfalt jede Befleckung des