Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 51 (1895)
- Issue
- 7 (1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Ein Monatsblatt für Israeliten und Freunde Israels. Inhalt: „Li 16 almän Jisra6l.“ — Zur Skelenpflege. — Das 87. Iahresfest der t. I.«M. — Ein starker Antrieb zur Misfionsarbeit. — Zur Geschichte des Tremellius. Zu Röm. 5, 6 ff. — Zur Geschichte der Bibel. — Aus der jüdischen Presse. — Über Rubinsteins „Christus." — Empfangsbescheinigung. „L! 15 almän ssisrael." An diesen Anfang von Ier. 5s, 5 erinnerte die erste israelitische Synode Badens einen Berichterstatter. Angesichts der Versammlung wurde es ihm, wie er schreibt, recht warm ums Herz, und wieder und wieder mußte er sich jenes Schriftwort vorsagen. Auch wir Christen glauben, daß Gott „sein zuvorversehenes Volk" nicht verstoßen hat (Röm. ss, s f.). Aber ein Teil Israels steht allerdings unter einem Verstockungsgericht (Vs. 7) und gleicht dem des Ehemanns beraubten Weibe. Von diesem Teil gilt das göttliche Urteil: „Ich habe dich verlassen" (Ies. 5H, 7). Indessen soll dieser traurige Zustand nur eine Zeitlang, nur „einen kleinen Augenblick" währen. Gott will die Zerstreuten mit großer Barmherzigkeit sammeln und den Blinden das Gesicht wiedergeben (Röm. ((, 25 f.). Die Witwenklage soll in Festjubel übergehen. Daß der Masse des jüdischen Volkes das kostbarste Gut, welches der Mensch besitzen kann, fehlt, wird von einsichtigen Israeliten nicht geleugnet. Der Mann, welcher sich um das Zustandekommen der badischen Synode am meisten verdient gemacht hat, Regierungsrat Mayer, sagte nach Beendigung derselben in einer Tischrede: „Was nützt uns der schönste, solideste Rahmen, wenn das Bild darin immer mehr verblaßt und abblättert? Unsere religiösen Einrichtungen sind den meisten zum reinen Formalismus geworden. Die natürliche Folge ist der zunehmende Indifferentismus, die kalte Gleichgültigkeit gegenüber allem Religiösen." Er meint, das hieraus entstehende Manko ini Denken und Fühlen werde am wenigsten von den Männern empfunden, aber man solle an die Frauen und Ainder denken. „Unsere gottesdienstlichen Einrichtungen", äußerte er, „nehmen auf das weibliche Geschlecht und seine religiösen Bedürfnisse fast gar keine Rücksicht. Gleichwohl verlangen wir von unfern Frauen, daß sie die religiöse Erziehung unserer Ainder leiten und sie für das Judentum begeistern sollen." Noch tiefer läßt es uns blicken, wenn der Redner, sich selbst verbessernd, fortfährt: „Doch nein, die meisten verlangen dies garnicht mehr von ihren Frauen, weil diese es doch nicht leisten können. Sie verlangen vielmehr alles von der Schule, vom Religionsunterricht. Die Religionsschule aber kann diese Forderung schon aus dein Grunde