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Dibre Emeth · 1895-01-01 · 6 (1895) · page 7

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Journal
Dibre Emeth
Volume
51 (1895)
Issue
6 (1895)
Date
1895-01-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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V selig sterben!" N)as Schiller in der „Macht des Gesanges" von dem Einfluß des Schicksals sagt, welches mit Gigantenschritt in die Kreise der Freude tritt, das gilt noch viel mehr von der Wirkung, welche der Weltheiland auf empfängliche Gemüter ausübt: ,Da beugt sich jede Erdengröße ,Dem Fremdling aus der andern Welt. ,Des Jubels nichtiges Getöse .verstummt, und jede Larve fällt. Und vor der Wahrheit mächtigem Liege .verschwindet jedes Werk der Lüge." Ale Hlachstentreöe im alten Wunde. Man würde das A. T. viel zu enge auffassen, wenn man sagen wollte: Der Nächste, den zu lieben Israel angeleitet wird, ist nur der Volksgenosse. Das wäre die pharisäische Auslegung, die aus dem Gebot: „ Du sollst deinen Nächsten lieben!" den Gegensatz herauslas: „aber deinen Feind Haffen!" Dem gegenüber ist auf Sprüche 25, 2ff. und 2. Mose 23, 4 hinzuweisen, wenn hier allerdings mehr an persönliche als an nationale Feindschaft zu denken ist, so wird doch auch der Nichtisraelit keineswegs einfach als Feind angesehen. Der eingesessene Fremdling ist nicht rechtlos (4. Mose 9, js, jöff.). Er hat teil an der Sabbatruhe, er wird zum Festmahl geladen. Ls wird zur Milde gegen ihn ermahnt (2. Mose 22, 2\ ff; 23,9; 3. Mose 19,9; 23,22), ja, es wird geboten, ihn zu lieben wie sich selbst (3. Mose 2^). Daß Israel ganz anders dasteht als die Heiden, zeigt sich deutlich in den Bestimmungen über die Sklaven. Diese werden (2. Mose 2\, 20ff.) gegen Jähzorn und Grausamkeit geschützt, welch' ein Zartgefühl offenbart sich in der Vorschrift 5. Mose 2\, \s\ völlig gleichberechtigt ist der Fremdling allerdings nicht. Gegen ihn ist der gegen Volksgenossen verbotene Wucher erlaubt. Ihm werden nicht wie dem Volksgenossen im Sabbatjahr Schulden erlaffen. Er kann keine Äcker erwerben. Noch anders als der eingesessene Fremde steht der völlig Fremde. Zwar auch ihm gegenüber bricht oft der universalistische Zug, der in der messianischen Hoffnung Israels begründet ist, hervor. Salomo betet auch für Nichtisraeliten Rön. 8, Melchisedek, Abimelech, die als verehrungswürdige Gestalten hervortreten, Hiob, der als ein Vorbild der Gerechtigkeit dargestellt wird, sind Fremde. Israel ist der Erstgeborene Gottes: auch die andern Völker sind also von Gott nicht ausgeschlossen. Aber immer ist doch „das Prinzip der Liebe im A. T. noch national beschränkt" (Ewald), wie die Religion noch in einer nationalen Schale beschlossen liegt, so fehlt auch der Liebe noch ihre Beziehung auf den Menschen als Menschen ohne Rücksicht auf das Volkstum. Die universale Liebe, die jeden Menschen als Nächsten ansieht, ist im Reim vorhanden, aber dieser Universalismus bedarf noch der Enthüllung, der Lntschränkung. Christus hat die Liebe von den Schranken des Gesetzes und damit von den nationalen Schranken befreit. (G. Uhlhorn, Die christl. Liebesthätigkeit. 2. Aust. S. 3; ff.) Zu KeseKiel 36, 26. Ein Gefängnisprediger besuchte einen Verbrecher, welcher sich selbst als das schlechteste Geschöpf im Gefängnis bezeichnete, aber den Trost des Evangeliums nicht annehmen wollte. Als der Prediger ihm versicherte, daß der Heiland keinen Hinausstoße, der zu ihm komme, rief er: „Hören Sie auf, Herr! Jedes Wort ist an mir verloren." hierauf schlug er mit der Faust an die eiserne Thüre seines Rerkers und sagte: „So hart und kalt wie diese Thüre ist mein Herz." Da öffnete der Prediger die Bibel und las Hes. 36, 26 vor, die Verheißung, daß Gott ein neues Herz statt des alten, harten geben will. „Stehen diese Worte wirklich da?" fragte der Gefangene, und ein Blitz der Freude erhellte sein Angesicht. Zwar ließ er schon im nächsten Augenblick wieder alle Hoffnung fahren und stöhnte: „Für mich kann das nicht gesagt sein. Ich bin zu schlecht." Aber endlich drangen die Worte des Seelsorgers, der sich neben den Verbrecher gesetzt hatte, in seine Seele ein. Er wagte es an Gottes Vaterhuld und das Erlösnngswerk Jesu Christi zu glauben. Jener Vers im Buch Hesekiels war der Wendepunkt in seinem Leben geworden.

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