Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 51 (1895)
- Issue
- 6 (1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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als sie von der Sache hörte, gab sich schließlich zufrieden. Vielleicht überzeugt sie sich davon, daß es kein Abfall von der Religion der israelitischen Erzväter und Propheten ist, wenn man den von ihnen ersehnten und geweissagten Messias gläubig annimmt. Wer da stehet, der sehe wohl zu, daß er nicht falle. „Führe uns nicht in Versuchung I" sei unser tägliches Gebet. Suchen wir auch andere vor der Versuchung zu bewahren! Brechen wir nicht den Stab über solche, die ihr erlegen sind! helfen wir ihnen wieder zurecht und führen wir sie zum Leben zurück! Denn die Seele, die in dem Irrtum ihres Weges beharret, verfällt dem Tode (Jak. 5,20), und für den Abtrünnigen, der ni>ht umkehrt, giebt es keine Rettung. Paulus und Rabbi Akiba in Cäsarea. (Schluß.) Die Haft, welche mindestens 2 Jahre, J36—38, dauerte, war eine äußerst strenge. Der Verkehr mit der Außenwelt wurde dem Gefangenen fast vollständig abgeschnitten. Wer ohne Erlaubnis ihn zu sehen suchte, setzte sein Leben aufs Spiel. Ein Bote ließ sich seinen gefährlichen Gang zu Akiba mit ^00 Denaren (2^0 Mk.) bezahlen. Nur ein einziger von seinen Schülern erlangte Zutritt zu ihm: Simon, der Sohn des Jochai, eines Juden, welcher bei dem damaligen römischen Statthalter Tinejus (Turnus) Rufus eine einflußreiche Stellung einnahm. Wie Simons Vater dem Gefangenen die Wohlthat verschaffte, einen Freund bei sich zu sehen, so war er es auch, welcher die gewiß von Anfang an beschlossene Hinrichtung desselben so weit hinausschob. Die Fürsprache Jochais für den Lehrer seines Sohnes verlängerte Akiba das Leben und gab Simon Gelegenheit, den Unterricht des großen Weisen, den er zuerst in Jabne, später (3 Jahre lang in Barka gehört hatte, noch länger zu genießen. Obwohl die Unterweisung im Gesetz streng verboten und mit dem Tode bedroht war, konnte Akiba nicht umhin, den Wissensdurst Simons zu stillen. Ein anderer seiner Schüler, der Sandalenmacher Jochanan, verkleidete sich als Hausierer und rief vor dem Gefängnis, in welchem der Meister saß, seine Waren aus. Hierbei knüpfte er an die Fragen: „Wer kauft Nadeln? Wer kauft Gabeln?" unmerklich eine Frage der Gesetzesauslegung an. Akiba ging auf die List ein und gab die Entscheidung, indem er sie mit der Gegenfrage einleitete: „Hast Du Spindeln zu verkaufen?" Daß seine Weisheit keine prophetische und apostolische, sondern eine verstandesmäßig trockene, echt rabbinische war, zeigen z. B. die fünf Lebensregeln, die er in der letzten Unterredung mit Siinon diesem mit auf den Weg gab. Die Einsamkeit der Haft hätte ihn zu einer Änderung seiner Denk- und Lehrweise bewegen können. Zunächst war ja sein Messiasglaubs durch die Ereignisse gerichtet worden. Aber lag nicht hierin zugleich eine Verurteilung seiner ganzen Theologie? „Es ist ein Rätsel, daß ein Anhänger der Propheten einem Arieger die Messiaswürde