Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 51 (1895)
- Issue
- 6 (1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Als er eine weitere Glaubensprobe bestehen sollte, erlag er. Weil ihni von christlicher Seite die Unterstützung, auf die er gerechnet hatte, nicht gewährt wurde, verließ er seine neue Wirkungsstätte und reiste nach A-, um Arbeit zu suchen. Als er sie nicht fand, ging er, von Alitteln fast ganz entblößt (eines Teils seiner Habe hatte er sich schon früher entäußern müssen), nach £>., einer Stadt, die nur von wenigen Lhristen, aber von mehreren tausend Juden bewohnt wird, Hier kani der bedauernswerte Jüngling zu Fall. Der evangelische Prediger, der ihn äußerlich und innerlich hätte stützen können, war bei W.'s Ankunft von S. abwesend, und in sich selbst fand dieser, gewiß nicht ohne eigene Schuld, keine Widerstandskraft mehr. W. meinte, inmitten der jüdischen Umgebung, von der er sich abhängig fühlte, seinen christlichen Glauben geheimhalten zu dürfen. Gr lebte daher fortan als Jude unter Juden. Seine Sprachkenntniffe verschafften ihni den nötigen, wenn auch dürftigen Lebensunterhalt. Bald heiratete er auf den Wunsch seiner Freunde eine jüdische Jungfrau. So schien er jetzt auf immer wieder an die Synagoge gefesselt zu sein. Aber der gute Hirte folgte den Spuren des verlorenen Schafes, um es aus der Wüste wieder in feine Herde zurückzubringen. W. wurde niit einen: evangelischen Lehrer bekannt und auf eine christliche Anstalt in T. aufmerksam gemacht, in welcher der Posten eines Geschäftsführers zu besetzen war. Der Lehrer bewarb sich für W. um die Stelle, und dieser erhielt sie. Der ungetreue Christ, der sich alsbald mit großen: Fleiß einarbeitete, aß also wieder das Brot von Christen, und seine Verhältnisse verbesserten sich jetzt wesentlich. Allein ebendiese unverdiente Wendung brachte ihn allniählich zur Besinnung. Zwar wahrte er anfangs sein Geheimnis ängstlich. Ginem Proselyten, der in T. mit ihm verkehrte, und dem cs auffiel, daß W. mit dem Zudentum innerlich zerfallen und mit dem Christentum vertraut war, bezeichncte er seinen Aufenthalt in einer großen christlichen Stadt als die Quelle seiner Bekanntschaft mit dem Neuen Testament, den Kirchenliedern und den kirchlichen Lehren und Gebräuchen. Aber er konnte sich nicht niehr lange verschleiern. Zener proselyt durchschaute ihn und redete ihn: ernstlich ins Gewissen, erschreckt durch die Wahrnehmung, daß der Versucher eine solche Gewalt über eine Seele ausüben kann. Da ging es W. wie dem Aönig David (ps. 32, 5): es wurde ihm unmöglich, seine Sünde noch länger zu verschweigen. Gines Tages offenbarte er sich dem Wann, den Gottes Geist als Werkzeug bei seiner zweiten Bekehrung gebrauchte. Gr bekannte, daß er auf den Namen des dreieinigen Gottes getauft worden fei, aber aus Aienschenfurcht den Glauben, den er immer noch im Herzen trage, verleugnet habe. Gr erklärte, daß er bereit sei, öffentlich Buße zu thun, um wieder in die Airche ausgenommen zu werden. Zn eingehenden Besprechungen mit seinen christlichen Freunden gab W. Beweise von der Aufrichtigkeit seiner Reue. And so durfte man es wagen, ihn am 2. Dezember MH in die Airchengemeinschaft wieder aufzunehmen und zur Feier des heiligen Abendmahles zuzulassen. Seine Gattin, die zuerst außer sich war,