Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 51 (1895)
- Issue
- 5 (1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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36 übet Anklagen zu verantworten: er konnte ganz in seinem Element bleiben und seinem Richter das Evangelium predigen. Felix wollte ihn zugleich seiner Geniahlin Drusilla, einer Jüdin, zeigen. Dieselbe, eine Tochter von Merodes Agrippa I., hatte ihren ersten Mann, Aönig Azizus von Emesa, verlassen, um sich mit dem von ihrer Schönheit bezauberten Felix zu vermählen. Es war kein Zeichen von Weltklugheit, aber ein Beweis von prophetischer Unerschrockenheit und Rücksichtslosigkeit, daß Paulus vor diesen Zuhörern, vor dem ungerechten kaiserlichen Statthalter und der ehebrecherischen Aönigstochter, über die Gerechtigkeit, die Keuschheit und das zukünftige Gericht redete. Sogar ein Felix ahnte etwas von der Geisteskraft, die in der unscheinbaren Leibeshülle des Apostels wohnte. Es bemächtigte sich seiner eine Empfindung, die sonst nie über den gewaltigen Mann kam. Der Gefürchtete fürchtete sich. Er konnte die Worte seines Gefangenen, die sich wie spitzige Pfeile in sein Herz hineinbohrten, nicht länger ertragen. Er unterbrach die Predigt mit einem nichtigen Vorwand, und Paulus wunderte wieder in den Kerker. Zwei Jahre vergingen. Da stand der Apostel eines Tages vor einem andern Richter. Felix hatte sich noch manchmal mit ihm unterredet, ihn aber bei seinem unfreiwilligen Abgang von Eäsarea als Gefangenen zurückgelassen, weil seine Hoffnung auf ein Lösegeld von Paulus nicht erfüllt worden war. Festus, der neue Prokurator, ein ehrlicher Eharakter, vor dem man schon bei seinem ersten Aufenthalt in Jerusalem den ehemaligen Schüler Gamliels verdächtigt hatte, brachte die von seinem Vorgänger in so unverantwortlicher Weise verschleppte Sache zum Austrag. Am Tage nach seiner Rückkehr aus der heiligen Stadt wurde die entscheidende Sitzung des Gerichtshofes abgehalten. Festus erkannte, daß die zahlreichen und schweren Beschuldigungen, welche die von Jerusalem eingetroffenen Juden gegen Paulus vorbrachten, unbeweisbar waren. Gleichwohl zeigte er sich willig, dem Wunsch des Synedriums zu entsprechen und den Angeklagten zur weiteren Untersuchung des Falles nach Jerusalem zu senden. Aber hiergegen erhob Paulus Einsprache, da er Kenntnis davon hatte, daß man ihn unterwegs ermorden wollte, und berief sich auf den Kaiser. Felix hätte einer solchen Appellation vielleicht nicht ohne weiteres stattgegeben: Festus wußte nichts einzuwenden. Er erklärte sich nach kurzer Besprechung mit seinen Räten bereit, den Zeugen des Evangeliums nach Rom ziehen zu lassen. Auch dies Verhör war allerdings noch nicht das letzte, da die Reise nicht sofort angetreten werden konnte. Als nach kurzer Zeit zwei königliche Gäste, Herodes Agrippa II., der Beherrscher des nordöstlichen Palästinas, und seine sittenlose Schwester Bernike, deni neuen Landpfleger einen Besuch machten, mußte Paulus sich noch einmal überfeinen Glauben, die Ursache seiner Gefangenschaft,. öffentlich aussprechen. Durch die Mitteilungen des Festus über den nierkwürdigen Gefangenen neugierig gemacht, wünschte Agrippa ihn reden zu hören, und sein Gastfreund bot ihm hierzu gerne die Hand. Eine große Versammlung füllte den Gerichtssaal des Schlosses, , als