Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 51 (1895)
- Issue
- 5 (1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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35 Läsarea jetzt als den Schauplatz der Gefangenschaft von Paulus und Rabbi Akiba, als die Leidens- und Wirkungsstätte zweier jüdischer Männer, welche zwar auf verschiedenen Wegen wandelten, aber Ein großes Ziel vor Augen hatten: die Aufrichtung des messianischen Reiches. Es war ein Sommertag des Jahres 69, als Paulus von 70 römischen Reitern bei dem Prokurator Felix in Läsarea als Gefangener eingeliefert und auf Befehl des Landpflegers in dem Palast, den dieser selbst bewohnte, dem Richthause des Merodes, in Verwahrung gegeben wurde. Den Wortführern des damaligen Judentums galt der Mann aus Tarsus als ein Vornehmster der Sekte der Nazarener. Wir aber sehen in ihm einen Jünger Jesu, der diesem mit glühender Begeisterung diente, einen Heiden- und Iudenmissionar, dessen Bild in der Ruhmeshalle der christlichen Prediger den ersten Platz einnimmt. Als der Reichsbannerträger des Weltheilandes führte Paulus z. B. den heidnischen Ratsherrn in Athen, welcher zu Ehren des Weingottes Dionysos den Namen Dionysius trug, dem zu, der sich den wahren Weinstock nannte, und der bei der letzten alttestamentlichen Ostermahlzeit die Worte sprach: „Dieser Aelch ist das neue Testament in meinem Blut." Durch Paulus wurde in Korinth der Adler aus pontus gezähmt, wurde der Jude Aquila, der Handwerksgenosse des Apostels, zu einem Glaubensgenossen desselben gemacht. Bei Aquila und seiner ebenfalls für den Messias gewonnenen Gattin priscilla ging der jüdische Alexandriner Apollos oder Apollonius, dessen Name auf den Sonnengott der Griechen hinwies, in die Schule und lernte an die Sonne der Gerechtigkeit glauben, die Israel und allen übrigen Völkern der Erde in Jesu aufgegangen ist. Welche Bewegung der Geister hat Paulus hervorgerufen I Er wandte bei seiner Missionsarbeit nie Gewaltsmaßregeln an. Auf fein Beispiel konnte sich weder Bonifatius berufen, wenn unter seinen Axthieben die Donarseiche bei Geismar zusammenbrach, noch Holbein, der Held Olafs III., als er das dem Thor geweihte riesige Götzenbild der alten Norweger niit wuchtigen Aeulenschlägen zerschmetterte. Das Evangelium war die einzige Waffe, welche Paulus im Kampf mit dem Unglauben gebrauchte. Fünf Tage nach seiner Ankunft in Läsarea hatte der Apostel bei der ersten Gerichtssitzung zu erscheinen. Der Hohepriester Ananias und eine Anzahl Mitglieder des Synedriums waren von Jerusalem, wo die Festnahme Pauli fiattgefunden hatte, herübergekomme», um dies Oberhaupt der Kirche bei Felix zu verklagen. Als ihr Anwalt trat der Redner Tertullus auf. Aber ihr Zweck wurde nicht erreicht. Nachdem Paulus sich verteidigt hatte, vertagte der Richter die Verhandlungen. Felix konnte den Angeklagten, der sich mit solcher Wärme über seine Hoffnung auf eine doppelte Auferstehung, mit solchem Ernst über sein Streben nach Unverletztheit des Gewissens aussprach, unnlöglich für einen gefährlichen Menschen halten. Nach Verlauf weniger Tage wurde der christliche Theologe und Asket abermals vorgeladen. Doch brauchte er sich jetzt nicht gegen-