Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 51 (1895)
- Issue
- 4 (1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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30 Tasche aufs Schiff: seine Arbeit war vollbracht. Traurig sammelte der Straßburger die ihm übriggelassenen Stücke. Als er in seine Heimat zurückgekehrt war, erzählte er seinem Weibe, wie schlecht ihn der Affe behandelt hatte. Aber die kluge Frau sagte: „Du solltest froh sein, daß Du so weggekommen bist. Dein Reisegeld hatte ich mit unserer Milch verdient, von welcher der dritte Teil Wasser war. Gott wollte nicht, daß Du die Pilgerfahrt mit Unrechtem Gute machtest. Darunr mußte der Affe den dritten Teil ins Wasser werfen." Auf dem Kirchhof zu Lunden in Dithmarschen befindet sich ein Leichenstein, welcher neben andern Gliedern der Familie Nann den Ierusalemsritter Olde Klaus Nann aufführt. Tine Sage über ihn teilt Klaus fjarms mit. Nann ließ sich von Hamburg mit Geldern und Wechseln auf seiner Reise versehen. Als er aber in Jerusalem eintraf, fand er den dorthin bestellten Wechsel nicht vor. Während er nun in der heiligen Stadt mißmutig umherwanderte, fragte ihn ein Bettler, warum er so traurig sei. Nann antwortete: „Du kannst mir doch nicht helfen." Der Bettler bestritt dies und verlangte nur zu hören, worin des Pilgers Not bestehe. Als der letztere ihm erzählte, daß sein Wechsel ausbleibe, überreichte ihm der Bettler einen Beutel mit Goldstücken und sagte: „Da hast Du Geld. Brauchst Du mehr, so Hab' ich mehr." Grstaunt fragte der Mann: „Du? Und warum thust Du das bei mir? Und wie erhältst Du das Geld wieder?" Der Bettler erwiderte: „Ich bin in Deinem Hause gewesen. Du heißest Klaus Nann und wohnst in Kleinlehe dicht bei Lunden. Ich komme nach ein paar Jahren wieder zu Dir, um selber das Geld abzuholen." Wirklich stellte sich der Bettler von Jerusalem nach einigen Jahren in Kleinlehe ein. Nann saß gerade mit vornehmen Gästen bei Tische, als jener in die Thüre trat. Gr eilte ihm sofort entgegen, geleitete ihn an den besten Platz und legte ihm reichlich vor. Hierauf erzählte er den Gästen seine erste Begegnung mit dem Fremden. Der Bettler empfing sein Geld zurück, weigerte sich aber, von dem dankbaren Nann noch mehr anzunehmen. Auch ließ er sich nicht bewegen, länger zu bleiben, so sehr er auch darum gebeten wurde. Auf die Frage, wie er bei solchem Reichtum eine solche Lebensart führen möge, antwortete er: „Das soll jetzt aufhören." Mit diesen Worten verließ er das Haus. Wohin er aber gegangen ist, hat niemand erfahren. _ Zu Zes. 48, 32. Eine von den zahlreichen Sagen, welche Pilatus betreffen, läßt den ungerechten Richter Jesu im Aerker zu Rom durch eigene Hand sterben. Man wirft die Leiche in den Tiber, aber der Strom kommt alsbald in furchtbare Bewegung und tritt aus seinen Ufern, während sich Gewitter entladen und Hagelschauer niedergehen Infolgedessen wird der tote Körper wieder aus dem Wasser gezogen, nach Vienne gesandt und der Rhone übergeben. Als sich hier dieselben Schrecknisse zutragen, schafft man den Leichnam in ein Alpenland und bestattet ihn dort gegenüber einem Berge, der nun den Namen des Pilatus erhält, in einem See. In dessen Tiefe ruht er noch und verursacht immer neucs Unwetter. — Diese Sage ist ein Spiegelbild der Wirklichkeit. Ungesühnte Sünden ziehen zeitliches und ewiges, leibliches und geistiges verderben nach sich. „Die Gottlosen haben keinen Frieden," spricht der Herr.