Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 51 (1895)
- Issue
- 4 (1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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26 bewegte er sich: die Zeit war da. Die Glocke wurde gezogen, aber sie gab keinen Laut von sich, denn ihren jedesmaligen Schlag?empfing die zarte Frauenhand. Der schwere Alöppel, dem diese Hand geschickt begegnete, verwundete sie und zerriß das feine Geäder. Schon strömte das Blut auf Aleid und Boden und bespritzte das Metall der Glocke. Die Heldin achtete es nicht. Ihr Herz zitterte vor Freude, weil der Glockenmund schwieg. Aber der alte, taube Auster unten zog und zog. Ach, wollte er denn nimmer enden? Angstschweiß tropfte von ihrer Stirne und vermischte sich mit dem Blute der zerrissenen Hände. Bleich wie der Tod, verbiß sie den furchtbaren Schmerz. Als jetzt endlich der Strang nicht mehr in Bewegung war, hielt sie die Glocke noch immer fest, damit nicht ein letzter zufälliger Schlag noch falle, um ihrem Gatten den Tod zu verkünden. Ihr Werk war gethan. halb ohnmächtig lehnte sie gegen die Mauer. Dann atmete sie tief und stieg die Turmtreppe hinab. So schnell ihre Füße sie trugen, eilte sie zu Lromwells Zelt. Jetzt hörte sie drinnen sagen: „Warum läutet die Abendglocke nicht? Der Tag geht hin, und mit ihm verstreicht die festgesetzte Zeit!" Da drängte sich die bleiche Frau durch die Soldatenwache. „Schau' diese blutenden Händel" rief sie dem Gefürchteten zu. „Ohne mich würde er tot fein I Diese Hände haben jeden Glockenschlag aufgefangen, so daß Ihr keinen Ton hören konntet. Meint Ihr, ich hätte meinen Gatten in der Not verlassen? Nimmermehr I Ich wäre für ihn gestorben, um ihn zu reiten, denn wißt: Liebe ist stark wie der Tod! Aein Mitleid begehre ich für meine zermalmten Hände, aber Mitleid für ihn, der sterben soll, Mitleid, auf daß Gottes Segen über Tuch komme!" Noch einmal sank sie vor Tromwell nieder. Der aber legte die Hand auf ihr Haupt und sagte: „Stehe auf, meine Tochter, und gehe selbst hin, Deinem Gatten die Gnade zu verkünden, welche Du ihm mit Deinen zerschlagenen Händen erkauft hast! Gott segne Dich um Deines liebesstarken Herzens willen I" — Und nun tritt im Geiste unter das Areuz des Heilandes, lieber Leser I Siehe, er streckt seine blutenden Hände aus nach allen Sündern, auch nach Dir I Gr ist von Gott verordnet als unser Todesüberwinder, Friedensstifter und Seligmacher. Soll der Würgengel an uns vorüberschreiten, soll unsere Seele aus dem Diensthause erlöst und dem Lande der Freiheit entgegengeführt werden, so kann dies nur durch die Vermittlung Jesu, des Gesalbten, geschehen. Laß seine blutenden Hände auch Dir das heil bringen, welches Du sonst nirgends erlangst I Es ist in Keinem andern Heil. Israel war einst der Süßteig der Welt. Das heil kommt von den Juden. Auch heute noch wohnt Iaphet in den Hütten Sems und lernt von ihm. Sein Mose schärft u»s das Gewissen; seine Propheten erquicken unsere Seele und stärken den Glauben; in dem Ton seiner Psalmen singen und beten wir; Petrus, Johannes, Paulus,