Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 51 (1895)
- Issue
- 3 (1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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2\ Sie töten wird, wenn er Sie wieder hier ertappt." Raum hatte die Jüdin dies gesagt, als der Vater am Fenster vorüberging, um durch die Vorderthür des Dauses in dasselbe einzutreten. Sofort sprang das Mädchen auf die Thür zu und verschloß sie. Dann faßte es Frau Baeyertz an der Hand und siüsterte ihr zu: „Aommen Sie schnell mit mir! Nur so können 5ie entrinnen." Die Thristin folgte ihrer Lebensretterin durch einen engen Gang, welcher zu der kleinen Hinterthür des Hauses führte. Nachdem die Jüdin sie eilig hinausgelassen hatte, hörte sie noch, wie diese mit zitternder, leiser Stimme sie mahnte: „Laufen Sie, damit Sie Ihr Leben in Sicherheit bringen!" Später unternahm Frau Baeyertz weite Reisen als Evangelistin. Sie besuchte z. B. Neuseeland, die Vereinigten Staaten von Nordamerika und Tanada. Bei ihren Versammlungen, zu denen jedermann Zutritt hatte, waren oft Juden zugegen, angezogen durch die Nachricht von ihrer jüdischen Abstammung. Tine kalifornische Zeitung schrieb: „Es ist besonders wohlthuend, wahrzunehmen, wie die Juden Herzuströmen, um sie zu hören, und wie überzeugungsvoll sie die Botschaft verkündigt, daß Lhristus der wahre Messias, der Aönig der Juden ist. Wie rührend sind ihre Ansprachen an ihr eigenes Volk!" Im April \80)2 kam sie nach Irland und redete u. a. in Belfast und Dublin, hierauf besuchte sie London und andere Orte Englands. Gegenwärtig soll sie in Schottland weilen. Daß ihre Missionsthätigkeit von reichem Segen begleitet wird, ergiebt sich aus dem von S. Watson verfaßten, in Tork (Guy u. To.) erschienenen Buche „From Darkness to Light.“ Die Juden von Spitalfields. Spitalfields ist ein Bezirk der Stadt London, von alters her eine Heimat der Barmherzigkeit und der Freiheit. Er verdankt seinen Namen einem Hospital, welches hier W7 errichtet wurde. J685 siedelten sich vertriebene Hugenotten hier an. Ihrem Beispiel folgten nicht lange darauf die in England wieder zugelassenen Juden. Diese übernahmen von den Hugenotten den Handel mit Leder und Schuhen, Blumen und Früchten. Gegenwärtig sollen 1(2000 Juden in Spitalfields wohnen. Der Bezirk hat zahlreiche Synagogen, doch kann man von ihnen nicht sagen, daß sie die Mittelpunkte des jüdischen Lebens bilden. An Wochentagen findet man dort nur die zur Abhaltung eines Gottesdienstes erforderliche Anzahl von Männern. Diese (0 Teilnehmer werden oft für ihr Erscheinen bezahlt. Die englischen Synagogen sind um des Sabbats willen da. Würde man den letzteren aufgeben, so würden die ersteren verschwinden. Sabbat und Judentum oder, wie der polnische Jude sagt, Jüdischkeit sind fast gleichbedeutend. Dem ersten Sabbatgottesdienst geht hier wie überall, wo noch der alte Brauch besteht, die Vorlesung der j)salmen ß5—W und 2ß, sowie der Gesang des von Salomo hallevi, dem späteren Bischof Paul von Burgos, verfaßten Liedes voran, welches Israel als die Braut des Sabbats darstellt. (Nach Vs. 5 hat sich der Seele des Sängers durch den Sohn des Isai, den Bethlehemiten, Erlösung