Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 51 (1895)
- Issue
- 2 (1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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10 gethan. Ich sprach ihm kurze Seufzer vor und bat ihn: „Nennen auch Sie den teuren IEsus-Namen, außer welchem kein Heil!" Das Fieber raste dazwischen in seiner inneren Hitze und störte mannigfach unser Gespräch. Ich blieb bis tief in die Nacht. Die Aräfte schienen zu schwinden. Der Aranke hatte zu Anfang gefragt: „Sind wir allein?" Doch erfolgte, obgleich ich die Frage bejaht, kein besonderes Bekenntnis. Indem er sich „unter den Schmerzen der Arankheit umherwarf, that er einmal die Äußerung: „Ach, ich fühle wohl, daß ich nicht mit einem Sprung in den christlichen Himmel kommen kannl" Ach, wie bedenklich ist es, die Bekehrung auf's letzte Arankenlager zu verschieben I — Am nächsten Morgen früh war ich wieder bei ihm, aber seine Auflösung hatte begonnen, sein Verständnis war schon unklar, und noch im Laufe des Tages erfolgte sein Ende. Der reichgebildete Jüngling war schnell eingeführt worden bei den gebildeten Familien des Städtchens und der Umgegend. Alle hatten sich seiner geistreichen Gespräche gefreut. Sein Begräbnis vereinigte sämtliche Freunde, und mir war die Gelegenheit gegeben, am Grabe des Jünglings sein Wort im Sterben als ernste, gewaltige Bestätigung des heiligen Gotteswortes der Versammlung ans Herz zu legen. Es war eine ernste Frage: „Werdet ihr in eurer Sterbestunde mit ihm klagen müssen: Ach, wie ist es so dunkel vor meinen Augen! oder in IEsu Namen die Gnade Gottes preisen können, daß es durch Vergebung eurer Sünden im Blute der Versöhnung in eurem Innern helle geworden?" Der HErr segnete die geheimnisvolle Führung an mehreren jener Familien, so daß sie bald darnach zu einer regelmäßigen privatbibelstunde mit Gebet zusammentraten. Bei meinem Zurückdenken ist oft im Laufe der Jahre in meinem Innern die Frage: „Sind wir allein?" samt jener Äußerung: „Ich fühle wohl, daß ich nicht mit einem Sprunge in den Himmel kommen kannl" bewegt worden. In der ersten Hälfte des letzten Sommers läßt sich der General A., Aonsul der Vereinigten Staaten, bei mir anmelden. Unser religiöser Standpunkt war, das ergab sich alsbald, ein sehr verschiedener. Ein freimütiges Bekenntnis wurde beiderseits abgelegt. Die Frische der Gesundheit und die Fülle der Lebenskraft mochte mir das Bild jenes Jünglings ins Gedächtnis rufen. Jedenfalls in der Absicht, ihm durch ein Beispiel aus dem Leben die Armseligkeit des natürlichen Standpunktes, sowie die Notwendigkeit des geoffenbarten Heils zu zeigen, erzählte ich jenen Fall, ob der HErr das gleiche Wort mit dem gleichen Erfolg begleiten möchte. Ich nannte noch nicht den Namen jenes an der fernen Westküste Schleswigs begrabenen Jünglings, als dieser Herr ausrief: „Robowski, armer Junge! Er war ein Jude." — „Er war ein Jude?" mußte ich erstaunt fragen. Das Rätsel jener geheimnisvollen Nacht in Tönning wurde mir in Jerusalem durch dies Wort in seltsamer Weise gelöst. Das war's also, was zu gestehen er sich nicht entschließen konnte. Ach, daß er's mir gestanden hätte! Die Besorgnis, daß ich mich mit Abscheu von ihm abwenden würde, mochte seine Lippen verschließen, und doch mit welch' inniger Liebe würde ich dem nach Trost