Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 51 (1895)
- Issue
- 2 (1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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« verlangenden Sohne, Abrahams den Weg des Lebens gewiesen haben! So galt also jene Äußerung von dem Sprung in den christlichen Himmel, den ich vom Unglauben im allgemeinen verstand, dem Unglauben, mit welchem die Juden noch heute den HErrn IEsum verwerfen, und die Frage: „Sind wir allein?" deutete mir den Kampf in seinem Innern an, ob bekennen oder schweigen. Ich mußte nach zehn dazwischen liegenden Jahren noch tief aufseufzen und seufze, während ich diese Zeilen niederschreibe: Ach, daß es gelungen wäre, diesen Bann des Nichtbekennens zu heben, auf daß die Verkündigung der freien Gnade Gottes in Christo IEfu, unferm HErrn, freieren Zugang zu seinem Herzen hätte haben können! F. p, v. Friedrich Peter Valentiner. Am 6. September {8^ entschlief zu Preetz in Holstein ein Mann, dessen Name mit der Geschichte der deutsch-evangelichen Gemeinde in Jerusalem unzertrennlich verknüpft ist: ihr erster Seelsorger, Pastor Valentiner. Aus seinem Pfarramt zu Tönning in Schleswig durch die Dänen vertrieben, übernahm er Ende s85l auf den Wunsch von König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen die neugegründete deutschevangelische Pfarrstelle zu Jerusalem. Hier blieb er in vielseitiger, segensreicher Thätigkeit bis zum Frühjahr \866. Ein Sohn des Heimgegangenen, Herr Kirchenrat Valentiner in Eutin, schreibt uns: „Obwohl mein Vater in einem rationalistischen Hause aufgewachsen war (sein Vater war Pastor und Konsistorialrat in Pronstorf), war der sog. „neue Glaube" schon frühzeitig in seiner Seele geweckt worden. Es war namentlich das stellvertretende Leiden Jesu, das seine Seele ergriff. Mein Vater ist in der Entwickelung seines inneren Lebens nie durch schwere Kämpfe hindurchgegangen. Es ist alles bei ihm ebenmäßig gereift und ausgestaltet. Er war überhaupt so recht ein Kind des Friedens. In Jerusalem nannte man ihn „peacemaker“ (Friedensstifter), weil es seiner irenischen Stimmung und freundlichen Milde immer wieder gelang, die Gegensätze auszugleichen. Der Glaube seiner Kindheit ist ihm bis ins Sterbestündlein geblieben. Von Jerusalem kam er nach Pronstorf, seinem Geburtsort und dem Ort der Wirksamkeit seines Vaters. Hier hat mein Vater noch in der Fülle der Kraft und der Begeisterung für sein Amt wirken können, reichlich 3 Jahre. Es ging eine Erweckung durch die Gemeinde, und die Kirche füllte sich. In Pronstorf gab mein Vater sein Buch über das heilige Land heraus. Von dort wurde er als Pastor der Klosterkirche nach Preetz berufen, wo er ungefähr 2\ Jahre im Amt gestanden hat. In den ersten Jahren behielt und bewies er noch seine alte Frische und geistige Kraft. In den letzten (0 Jahren aber wurde er öfter durch Krankheit heimgesucht. Ein sehr schwerer Fall brachte ihn an den Rand des Grabes. Auch die Influenza setzte ihm hart zu; sie zwang ihn endlich zum Abschied von seinem Amt. In der friedlichen Stille des Klosters ist er, der in Wahrheit ein Kind des Friedens war (Friedfertigkeit und unendlich reiche Liebe waren der Schatz