Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 51 (1895)
- Issue
- 1 (1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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7 allbarmherziger Gott! Ich weiß, daß ich nicht anders selig werden kann als durch das Verdienst, das unschuldige Leiden und den Tod Deines vielgeliebten Lohnes. Frommer Jesus! All' mein Heil ist in Deinen fänden. Du kannst die Hände Deiner Liebe nicht von mir wenden, denn sie haben mich geschaffen, mich gebildet, mich erkauft. Du hast meinen Namen mit eisernem Griffel, mit großer Barmherzigkeit und in unauslöschlicher weise auf Deine Leite, in Deine Hände und Füße geschrieben. Kann ich dies nicht laut bekennen, so bekenne ich es doch im Kerzen und mit der Feder." Der Schreiber dieser Zeilen war höchst wahrscheinlich ein Mönch des Karthäuserklosters, der im oder ^5. Jahrhundert lebte. In seine einsame Zelle hatte das Licht der Wahrheit hineingeleuchtet und ihm den weg des Lebens gezeigt, den im J6. Jahrhundert der Augustinermönch Luther durch göttliche Fügung kennen lernte. Aber ihm fehlte der auch den Tod verachtende Bekennermut. Nur einem Pergament, das er ängstlich verwahrte, wagte er sein Geheimnis anzuvertrauen. — Wieviele gleichen heutzutage jenem Mönch! Die Offenbarung des im Kerzen wohnenden Glaubens unterbleibt so oft aus elender Menschenscheu. Fasset doch Mut, Ihr ängstlichen Seelen, und machet zu Eurer Losung das Wort des Psalmisten: ,,Ich glaube, darum rede ich!" Der sog. Schild Davids soll indischen oder persischen Ursprungs sein. Bei den Indern wurden wischnu und Lchiva, der Gott des Guten und der Gott des Bösen, in zwei Dreiecken dargestellt, und zwar der erste in einem Dreieck, dessen Spitze nach oben ging und in einer aufrechtstehenden Linie endete, der zweite in einem Dreieck, das seine Spitze unten hatte. Jenes sollte die Kraft des Guten andeuten, die nach oben strebt. Dieses war ein Zeichen der Kraft, die immer das Böse will und nach unten strebt. Es gab aber Sekten, die beide Sinnbilder mit einander vereinigten und die zwei Dreiecke ineinander und miteinander verschlangen. So entstand der „Schild Davids." Das Judentum, welches den einen wahren Gott als den Schöpfer des Lichts und der Finsternis, des Guten und des Bösen zugleich betrachtete (Jes. 45, 7), fand in dem Zeichen der verschlungenen Dreiecke, welches es wahrscheinlich durch die Perser kennen lernte, ein Bild der eigenen Gottesanschauung. Jüdische tzhromk. Der Berliner Verein Ahabath Schalom eröffnete seine in der Linienstraße erbaute Synagoge. Als Rabbiner wurde Dr. Ackermann an gestellt. Die Adath Jeschurun verlegte ihre Synagoge in die Alte Schönhauserstraße, der Religionsverein ,,Westen" die seinige nach der Tauentzienstraße. — Am 30. September trat in Berlin der dritte Norddeutsche Antisemitentag zusammen. Die Eröffnungsrede wies u. a. auf das Anwachsen der antisemitischen Stimmenzahl bei den Reichstagswahlen hin (j887 : ugoo; ^90 : q.7500; ^893 : 263900). Nach dem Kassenberichte betrugen die Einnahmen und Ausgaben \2 704 Mk. Die Wahl Ahlwardts in Neu- Stettin kostete Mk. Die Antisemitische Vereinigung für Norddeutschland trat der in Eisenach vollzogenen Verbindung der Deutsch-sozialen und der Reformpartei bei. — Liner von der letzten brandenburgischen Provinzialsynode gegebenen Anregung zufolge ersuchte die preußische Generalsynode den Oberkirchenrat und die Gemeindekirchenräte um Maßnahmen gegen das Überhandnehmen christlich-jüdischer Mischehen. — Die Strafkammer I des Landgerichts zu Hannover verurteilte einen Zeitungsredakteur zu \<k tEagett Gefängnis, weil in dem betreffenden Blatt behauptet worden war, daß sich die Juden mit dein Kol-Nidre-Gebet von allen Verpstichtungen und Schwüren lossprechen, die sie bis zum nächsten versöhnungstage auf sich nehmen. Bei der Beweisaufnahme wurde ein Gutachten von Professor Nöldeke-Straßburg verlesen, laut dessen der Talmud die widersprechendsten Stellen enthält und für die Juden jetzt nicht mehr maßgebend ist. Dagegen erklärte der als Sachverständiger geladene Landrabbiner Gronemann, der Talmud sei neben der Thora die einzige Ouelle des Rechtes für die Juden und für diese durchaus bindend. — vor den großen jüdischen Feiertagen wird in Triest alljährlich ein schwunghafter Handel mit Ledernfrüchten getrieben. Das Geschäft liegt in den fänden von Griechen, welche die Früchte von den Erzeugern beziehen und den Preis bestimmen. Die besten Ledernfrüchte bringt Korfu hervor, namentlich auf der Fläche