Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 51 (1895)
- Issue
- 1 (1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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5 eine buchstäbliche Erfüllung der Weissagungen von einer Sammlung des Volkes Israel, wohl aber an eine Bekehrung desselben mittelst des Glaubens an das Evangelium und an seine Aufnahme in das wahre Zion, die christliche Airche. hierzu bot er den Juden mit Freuden die Hand. Nirgends unterließ er es, mit ihnen über ihr Seelenheil zu verhandeln und ihnen darzuthun, daß Jesus der verheißene Messias sei. Zu diesem Zweck besuchte er die Synagogen in Regensburg, Augsburg, Hannover und Braunschweig. In Augsburg disputierte er bei Gelegenheit des Reichstags von ^530 mit einem gelehrten Rabbiner aus Prag über Iesaia 33. An diesem Gespräch nahmen Melanchthon und Brenz teil. ^535 richtete unser Reformator einen hebräisch geschriebenen Brief an die Braunschweiger Juden, in welchem er sich über den Segen Jakobs und die Weissagung Daniels von den 70 Iahrwochen aussprach und seine Leser mit freundlichem Ernst bat, zu prüfen, ob nicht hier auf Iesum von Nazareth hingewiesen werde. Wohl erfuhr der Freund Israels bei diesen Bemühungen wenig Gegenliebe. Oft mußte er über die Hartnäckigkeit der Juden klagen, denen die Mosesdecke immer noch vor den Augen hänge. Einmal erklärte ein Rabbiner: „Wenn auch der Messias käme, wollte ich Vergebung der Sünden und Gerechtigkeit doch nicht bei ihm suchen." Trotz alledem fuhr aber Rhegius fort, den Nachkommen der Patriarchen die Gnade Gottes zu verkündigen, fest davon überzeugt, daß Gott etliche derselben seligmachen wolle. In dieser Missionsthätigkeit stand ihm seine Anna zur Seite. Auch von ihr wird berichtet, daß sie mit Juden vielfach über die Auslegung des Alten Testaments verhandelt habe. Wie innerhalb des Dauses, namentlich bei der Erziehung der f3 Rinder, die sie ihrem Manne gebar, so suchte sie auch außerhalb des Dauses ihren Lhristenglauben zu bethätigen. Wie hätte sie, die in der heiligen Schrift fleißig forschte und nach wachsender christlicher Erkenntnis ernstlich trachtete, hierbei an dem inmitten der Ehristenheit lebenden Teil des Volkes Israel achtlos vorübergehen können? Ein schönes Denkmal der Herzens- und Lebensgemeinschaft, in welcher Urbanus und Anna Rhegius mit einander standen, ist das \537 erschienene Buch „Dialogus von der trostreichen predigt, die Thristus Luk. 2% von Jerusalem bis gen Emmaus den zweien Jüngern aus Mose und allen Propheten gethan hat." Dieser Dialog ist ein zwischen den Ehegatten wirklich stattgefundenes, [532 von Lukas Lossius in Lüneburg niedergeschriebenes Gespräch, welches alle messianischen Weissagungen des Alten Testaments zusammenstellt und unter Bezugnahme auf den Grundtext und mit Bestreitung der rabbinischen Auslegung erklärt. Am Schluß des oft wieder abgedruckten, ins Niederdeutsche und Lateinische übersetzten, später umgearbeiteten Gesprächs sagt Rhegius: „Nun weißt Du, . . was die rechte Hoffnung, der rechte Trost und die wahre Hilfe Israels ist." Anna antwortet: „Ja, ich weiß es, und glaube es. Gott mehre meinen Glauben I . . Aller Welt Gut^ist eitel und nichts gegen diesen christlichen Glauben. Ich begehre^meinen lieben Aindlein kein ander Heiratsgut und väterlich Erbe. . . Was Mangels