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Dibre Emeth · 1895-01-01 · 1 (1895) · page 2

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Journal
Dibre Emeth
Volume
51 (1895)
Issue
1 (1895)
Date
1895-01-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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2 selbst kennt er nicht. Zu einer Kenntnis des Herzens kann nur Gott, der Herzenskündiger, verhelfen. In seinem, Wort (nicht etwa nur Ier. \7, 9, wo die gewöhnliche kirchliche Übersetzung nicht hinlänglich begründet ist,) lehrt er uns das Herz als ein trotziges und verzagtes Ding ansehen. Trotz und Verzagtheit sind die bösen Geister, welche den guten, den heiligen Geist zu dämpfen suchen und nur zu oft, zu unserm größten Schaden, ihren Zweck erreichen. Sie können auch im neuen Jahre für uns verhängnisvoll werden. Darum gilt es, vor ihnen recht auf der f}ut zu fein. Jener unselige Trotz hat schon die ersten Menschenkinder aus dem Paradiese vertrieben. Als Ungehorsam gegen Gott, als willige Eingabe an die Sünde, als Verherrlichung und Vergötterung des eigenen Ich, hat der Trotz über das ganze erste Menschengeschlecht die Wasser der Sintflut gebracht. Diese Gottesverachtung und Selbsterhebung hat die Babylonische Sprachverwirrung zur Folge gehabt. Und als Jahrhunderte später in demselben Babel ein großer Fürst dieselbe Sünde beging, da wurde dieser Ort noch einmal der Schauplatz eines ungewöhnlichen Gottesgerichts über diese Sünde. Trotz, heimtückische Bosheit gegenüber dem letzten und größten Gesandten Gottes erfüllte das Herz eines jüdischen Königs, dessen Name von der Kindheitsgeschichte des Heilandes ebenso unzertrennlich ist wie der Name des gleichzeitigen römischen Kaisers. Der häßliche Iakobssinn beherrschte auch viele von den Iakobssöhnen, unter welchen der zum Manne von Nazareth herangewachsene Knabe von Bethlehem sein dreifaches Amt verwaltete. Auch hier blieben die verdienten Strafgerichte nicht aus. Und noch immer und überall fordert der Trotz feine Opfer. Der Pharisäer, welcher Gott dafür dankt, daß er nicht ist wie andere, steckt ja uns allen im Blut. Aber auch gröbere Äußerungen der Selbstsucht können bei uns so gut wie bei andern Vorkommen. Neben dem verkehrten Kraftgefühl macht sich oft eine betrübende Empfindung von Schwäche geltend. Strotzend von Gesundheit, wenn auch nur von vermeintlicher, steht der Trotz da. Eine von Krankheit gebeugte, alles Lebensmuts und aller Schaffenslust beraubte Jammergestalt ist die Verzagtheit. Eine Tagesreise weit von Berseba sitzt ein einsanier Mann in tiefer Wüstenstille unter einer Wachholder und seufzt: „Es ist genug, HErr. So nimm nun meine SeeleI" Wer ist der Mann? Ist das wirklich Elia, der Donnerer, der auf dem Karmel vor allem Volk den Iehovahdienst wieder zu Ehren brachte, der am Kifon die Baalspriester hinrichtete? Auch Hiob und Jona, ja, auch Petrus und Paulus und andere Glieder des neuen Bundes wurden von demselben Unhold geplagt. Und dieser Widersacher ist auch jetzt noch geschäftig und dringt über die Schwellen unserer Häuser, durch die Thüren unserer Herzen. Bald äußert sich die Verzagtheit als Mutlosigkeit gegenüber der Macht oder der Heiligkeit Gottes. Bald nimmt sie die Gestalt der Menschenfurcht an. Wie der Trotz, so erregt dje Verzagtheit das Mißfallen des Höchsten. Aber der Lhrist kennt Trost und Hilfe. Er darf auf immer

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