Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 50 (1894)
- Issue
- 12 (1894)
- Date
- 1894-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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93 fest.) ZTtit dem Beginn des Jahres 1(890 trat er in den Ruhestand. Am 2. Mai J894 entschlief er, der bis dahin nie krank gewesen war, nach kurzem Leiden. Seine Frau überlebt ihn. Ein Sohn ist Professor in Oxford. Nie Juden in Konftantinopel. Das in unferm letzten Bücherbericht erwähnte, wegen des diesjährigen großen Erdbebens in Konstantinopel recht zeitgemäße Werk von I. Dukas-Theodaffos „Im Zeichen des Halbmonds" enthält ein Kapitel, welches sich mit den Juden der Hauptstadt der Türkei beschäftigt. Der Verfasser hält dafür, daß in dem bunten Völkergenlisch.. dieser Stadt der spanische Jude eine der interessantesten Gestalten sei. Überall begegnet man diesem Nachkommen der \Qß2 aus Spanien vertriebenen, von Sultan Beyasid gastfreundlich aufgenommenen Israeliten. Der Türke beachtet ihn nicht besonders, der Grieche haßt ihn, wie schon die alten Byzantiner Judenfeinde waren. Seine unliebsamen Eigenschaften zeigen sich in verstärktem Maße bei Griechen und Armeniern. Von den drei Iudenvierteln Konstanstinopels werden zwei, Balat in Stambul und Haßköy, von Sxaniolen bewohnt, während in Galata deutsche und russisch-polnische Juden leben. Die letzteren heißen bei den Türken ,,Lech,“ die ersteren „Ombreh“ (ironisch auch Signori). Die griechische Bezeichnung für den spanischen Juden ist „Jaudi“. Das Ghetto von Balat beschreibt unser Schriftsteller näher. „Da, wo der prächtige Blachernen-Palast stand und die vornehmen byzantinischen Patrizier wohnten, befinden sich jetzt elende, von Schmutz überfüllte Straßen mit Misthaufen, welche stets von hungrigen Straßenhunden umlagert sind. Niedere, halbzerfallene, ungesunde Holzbaracken von düsterem Aussehen, wahre Spelunken, erheben sich hier in Balat wie drüben in Haßköy. In diesen Wohnungen fristet eine zahlreiche Menge Menschen ihr kümmerliches Dasein, die, zufrieden mit ihrem Los, nach nichts Besserem., verlangen. Aus jedem Fenster schauen Weiber mit abschreckendem Äußern, häßliche, schmutzige, bleichwangige Rinder, Bilder des abstoßendsten (!) Elends. Haßköy und Balat waren stets der Sitz aller möglichen Krankheiten." Im Innern der Häuser aber herrscht „Reinlichkeit und Ordnung. An den Fenstern sind weiße Vorhänge angebracht. Der Fußboden ist blank gescheuert oder mit Strohmatten belegt. Kommt ein Ehrist auf Besuch, so wird er höchst gastfreundlich behandelt und mit dem üblichen türkischen „Schwarzen", sowie mit Süßigkeiten und Südfrüchten aufs beste bewirtet." Von den Sitten der Spaniolen sagt der Verfasser, sie seien streng, Laster und Verbrechen selten. Die ärmeren suchen ihren Lebensunterhalt auf der Straße oder im Hafen. Ihre Kleider sind zerlumpt und fadenscheinig. Um den schmutzigen Fez winden sie einen bunten Lappen. Die bis an die Kniee reichenden Pumphosen sind farblos, die durchlöcherten Strümpfe iinmer weiß. Im großen Bazar machen