Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 50 (1894)
- Issue
- 12 (1894)
- Date
- 1894-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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92 Seine Mutter zählte \2 Rabbiner unter ihre Vorfahren. Der Rnabe erhielt demgemäß eine streng gesetzliche Erziehung. Mit (Z Jahren verließ er die öffentliche jüdische Schule und wurde zunächst von seinem Vater allein unterrichtet. Nach einem Jahre schickte ihn dieser ins Beth hammidrasch, damit er hier mit seinen Altersgenossen dem Talmudstudium obliege. Aber dasselbe wurde Ezechiel allmählich zuwider, und er beschäftigte sich mehr mit der Bibel, der hebräischen Grammatik und philosophischen Merken, wie denen des Maimonides. Mährend eines Aufenthaltes in Brody lernte er die Reformbewegung in Galizien kennen und begeisterte sich für Moses Mendelssohn und Mcssely, übersetzte auch die Schrift des ersteren über die Unsterblichkeit der Seele ins polnische. Auf das einzige durchschlagende Mittel zur Reform des Judentums wurde er in Marschau hingewiesen, wo er das Rabbinerseminar besuchte. In dieser Stadt kam er mit Missionaren der L. I.-M. zusammen, und das Evangelium, welches sie ihm verkündigten, übte eine unwiderstehliche Gewalt auf ihn aus. Er war 27 Jahre alt, als er mit dem Bekenntnis seines Glaubens an Thristum öffentlich hervortrat. Aber erst 6 Jahre später, im Dezember [8^8, wurde er, und zwar in London, wohin er inzwischen übergesiedelt war, getauft. Auch seine Frau, die er bereits (8Hl in Suwalki geheiratet hatte, und die lange gegen einen Religionswechsel gewesen war, trat endlich zur Airche über. Im Arbeitshause der Mission erlernte M. die Buchbinderei. Er wurde aber bald ((850) in den Missionsdienst berufen, zu dem er sich in hervorragendem Maße eignete. Er kannte beinahe die ganze hebräische Bibel auswendig und war außerdem im übrigen jüdischen Schrifttum wohl bewandert. Diese Gelehrsamkeit kam ihm im Verkehr mit Israeliten und besonders auch bei den literarischen Arbeiten zu statten, welche ihm die Gesellschaft übertrug. Fast alle hebräischen Veröffentlichungen der letzteren gingen durch seine Hände. So überarbeitete er die von hoga ins hebräische übersetzten „Alten Pfade" M' Eauls. Sein Hauptwerk war die (865 in Gemeinschaft mit Missionar Reichardt begonnene Berichtigung des von der L. I.-M. (8(7 herausgegebenen hebräischen Neuen Testamentes. Er wandte bei dieser Übersetzung ein rein biblisches hebräisch an und vermied möglichst talmudische Ausdrücke. Zur Verdeutlichung benutzte er die aus dem Alten Testament bekannten Accente. Auch fügte er Randbemerkungen hinzu. Mie sorgfältig die Arbeit ausgeführt wurde, geht u. a. daraus hervor, daß die beiden Missionare bei ihren jahrelang fortgesetzten täglichen Zusammenkünften in 5 Stunden oft nur einen einzigen Vers durchnahmen. M. erlernte verschiedene Sprachen, um die in denselben erschienenen Bibelübersetzungen zu studieren. So nahm er noch im Alter von ungefähr 70 Jahren das Arabische vor und verglich nun verschiedene, im Lauf dieses Jahrhunderts von der Bibelgesellschaft herausgegebene, arabische Übersetzungen der Bibel. Die heilige Schrift, mit der er sich unablässig beschäftigte, war ihm eine Offenbarung Gottes. Er glaubte an ihren göttlichen Ursprung. Die ganze Bibel seinem, dem jüdischen Volk zu übergeben, war sein ernstes Bemühen. (An seiner Zugehörigkeit zu diesem Volk hielt er allezeit