Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 50 (1894)
- Issue
- 12 (1894)
- Date
- 1894-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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9\ Elia stehende göttliche Wahrheitszeuge: „Wer aus der Wahrheit ist, der höret meine Stimme." Du mußt haben, damit Dir gegeben werde und Du die Fülle habest. Aber siehe, Du hast! Gott hat Dir eine Erkenntnis Deines und seines Wesens, einen Trieb nach Gerechtigkeit, ein Verlangen nach geistlichen Gütern in Deinem Gewissen erhalten. Du hast Lust an Gottes Gesetz nach dem inwendigen Menschen (Rom. 7, 22). Zwar streitet ein Gesetz in Deinen Gliedern mit dem Gesetz in Deinem Gemüt und nimmt Dich gefangen in der Sünde Gesetz. Doch läßt sich Dein besseres Ich nie ganz auslöschen, Höre auf diese innere Stimme und hilf die Sehnsucht nach völliger Gottesoffenbarung befriedigen, indem Du betest: „Weise mir, HErr, Deinen Weg, daß ich wandle in Deiner Wahrheit (Pf. 86, (()!" Maria, Joseph, Simeon, Hanna, die Wirten von Bethlehem, die Weisen aus dem Morgenland waren aus der Wahrheit und durften deshalb die Stimme dessen hören, in welchem die Wahrheit Gestalt gewann. Derselbe Weg, das Thun der bereits erkannten Wahrheit, wird auch uns an dasselbe Ziel, zu der Anbetung Gottes im Geist und in der Wahrheit, zum beständigen Wandel in der Wahrheit, führen. Zu jenem Thun gehört aber wesentlich das Gebet um Segen von oben. So wollen wir denn nicht müde werden, Gnade für uns zu erflehen. Und wir Thristen wollen bei unserer Weihnachtsfeier auch derer gedenken, die von der Weihnachtsfreude noch unberührt geblieben sind. Am Tage der Einweihung des Salomonischen Tempels betete der Erbauer desselben auch für die Fremden, die der Ruf des wahren Gottes aus weiter Ferne zum Heiligtums Israels führen würde. Lassen wir uns von Salomo nicht beschämen I Legen wir Fürbitte ein für Glaubensgenossen wie für Ungläubige, wenn wir das Fest der in Bethlehem erfolgten Grundsteinlegung der christlichen Airche feiern! Unter den Lichtstrahlen, die uns umfangen, und von denen das Aerzenlicht unserer Thristbäume ein schwaches Abbild ist, beim Genuß der herrlichen, himmlischen Gabe, an welche die kleinen Gaben bei unfern Weihnachtsbescherungen erinnern, trete die Masse der weihnachtslosen Völker vor unser geistiges Auge und bewege uns zu einer Bethätigung brüderlichen Erbarmens durchs Gebet. Namentlich sollte kein Thrist das Fest der Geburt seines Heilandes feiern, ohne dem immer noch im Todesschatten sitzenden Volk, dem zunächst, aber leider im großen und ganzen vergeblich die Weihnachtsfreude bereitet wurde, einen Seufzer des Mitleids zu widmen. Israel thut es besonders not, daß wir seiner gedenken und es in unsere demütige Bitte einschließen: 6), öffne uns die Herzen, daß wir Dein wort versteh'» Und endlich jubelnd droben das weihnachtsfest begeh'»! Ezechiel Margoliouth gehörte einer weitverzweigten Gelehrtenfamilie an. Er wurde im November (8(3 zu Suwalki in Russisch-Polen geboren. Sein Vater bekleidete in dieser Stadt 33 Jahre lang das Amt des Oberrabbiners.