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Dibre Emeth · 1894-01-01 · 11 (1894) · page 7

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Journal
Dibre Emeth
Volume
50 (1894)
Issue
11 (1894)
Date
1894-01-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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87 laufen: in einem Aönigreich Gottes. In diesem hehren Gottesfrieden lösen sich die schrillen Mißklänge des noch so zerrissenen Völkerlebens auf (Ief. j(9, 23 ff.) * Wiederum ein Vorzug des A. T. vor der Weisheit unserer Zeit. Die letztere redet von einem oft fragwürdigen Fortschritt, ohne ein vernünftiges Ziel der Welt zu kennen. Das Größte und herrlichste aber am A. T. ist noch nicht genannt. Durch seine Blätter geht eine verhüllte Gestalt, deren Umrisse immer deutlicher heraustreten. Bald leuchtet uns eine Aönigsstirn entgegen voll Glanz und Majestät. Bald schauen wir in das bleiche und blutige Antlitz eines Mannes voller schmerzen. Das Herz der Frommen schlägt einem künftigen entgegen, in welchem Iehovah selbst sein Volk heimsucht zu Gnade und Gericht, und welcher sein Volk wie ein Priester vor Gott vertritt und mit Gott versöhnt. Die Zukunftserwartung gipfelt in dem Ruf: „hosianna, gelobet sei, der da kommt im Namen des HGrrn!" In diesen Ruf stimmen wir Ainder des neuen Bundes von Herzen ein. Vom Angesicht des Eingeborenen fällt erst däs rechte Licht aufs A. T. Fassen wir Ihn ins Auge, und strecken wir nach Ihm die Arme unserer Sehnsucht aus, so oft wir uns in das alte, heilige Buch vertiefen, so vernehmen wir im A. T. das Zeugnis des Geistes Gottes über den Sohn der Liebe und finden darin das ewige Leben. (Aus einem Vortrag von Prof. Gettli- Bern.) Die schönste Stunde im ^even. In einer Gesellschaft wurde ausgemacht, daß jedes Mitglied die schönste Stunde seines Lebens angeben solle. Lin junger Ehemann bezeichnete als solche die Stunde, in welcher er seine Gattin gefunden hatte. Lille kinderreiche Mutter sagte, für sie sei die Stunde die schönste gewesen, in welcher sie von einer schweren Krankheit erstanden sei und hierbei die Freudenthränen in dell Augen aller der Ihrigen gesehen habe. Liner, der als Jüngling in eine tiefe Verirrung hineingeraten war, pries den Morgen, an welchem sein Vater zu ihm gekommen war und ihm vergeben hatte. Lin Dichter schilderte einen Abend im Schwarzwald, an welchem sich ihm unvermutet die Alpen im Purpurlicht des Sonnenuntergangs gezeigt hatten. Lin Kaufmann nannte die Stunde, in welcher er dem Bankerott entgangen war, weil ihm ein alter Schuldner eine langst verlöre:! geglaubte große Summe zurückerstattet hatte, die schönste in seinem Leben. Endlich kam die Reihe an eine ältere kränkliche Dame,, Diese bat, man möge auf ihre Worte verzichten. Aber die Gesellschaft versicherte, nicht eher auseinander gehen zu wollen, bis auch sie sich geäußert habe. Da . sagte sie: „Der schönste Tag in meinem Leben war der Tag meiner Bekehrung, wo ich nach langen Kämpfen und. bangen Zweifeln dessen gewiß wurde, daß ich einen Heiland habe, der mich ewig nicht lassen wird. Das war der Tag, der alle ferneren Tage, nicht ausgenommen die schweren Leidenstage, schön gemacht hat. Das war der Tag, aus dem auch eine selige Ewigkeit entspringen wird." Zn Zes. 40, 31. Über einer Felsenschlucht hatten sich schwarze Gewitterwolken gesammelt, und schon hörte man von ferne den Donner rollen. Da kamen zwei Adler, welche in der Tiefe Nahrung gesucht hatten, aus: der Kluft hervor. Aber das Gewitter erschreckte sie, und schreiend flogen sie dicht über der Erde hin und her, immer engere Kreise beschreibend. Plötzlich zuckte ein Blitz und ertönte ein furchtbarer Donnerschlag. In demselben Augenblick schwangen sich die beiden Adler hoch empor, um mitten durchs wolkendunkel hindurch zur Sonne vorzudringen. — wahres Gottvertrauen erhebt die Seele über alles Leid und verleiht ihr Adlerfittige, mittelst deren sie dem ewigen Lichte entgegeneilen kann.

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