Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 50 (1894)
- Issue
- 10 (1894)
- Date
- 1894-01-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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79 im Neuen Testament eine gute Botschaft (Jes. 52, 7). Wir verkündigen ihm den Bund, von welchem Jeremia geweissagt hat (3t, 3t)." Liner der Zuhörer machte hier die Bemerkung: „Ich glaube wirklich, daß die Thristen die Bibel besser verstehen als wir selbst." Z. gab ihm den guten Rat, er möge sich nach Daniels Beispiel (9,3) im Gebet zu Gott wenden, wenn er wünsche, die Bibel zu verstehen. Lr werde dann des £}<£vvn Ruf vernehmen: „Ich bin der Herr, dein Gott, der dich lehret, was nützlich ist, der dich leitet auf dem Wege, den du gehen sollst" (Jes. ^8,t7). Zu Jesaia 49,15. In Irrenanstalten hat man folgende Beobachtungen gemacht. Nach der Einlieferung eines Geisteskranken wird derselbe zunächst von seinen Verwandten und Bekannten fleißig besucht. Dann bleiben die letzteren allmählich weg. Später kommen von den Geschwistern nur noch die Schwestern. Bald folgt der Vater dem Beispiel der Brüder. Endlich fehlen auch die Schwestern, oft weil sie infolge ihrer Verheiratung für Mann und Kinder zu sorgen haben. Jetzt ist nur noch ein Glied der Familie übrig, welches sich regelmäßig nach dem Kranken erkundigt. Keine blitze und keine Kälte, kein Regen und kein Sturm hält die Mutter davon ab, im Irrenhause zu erscheinen. Jahr für Jahr unternimmt sie immer wieder die traurige Wanderung. wenn sie nicht mehr kommt, dann wissen Leiter und Wärter der Anstalt, daß — sie gestorben ist. Zu 1. Kor. IS, 13. Nach Beendigung des großen amerikanischen Bürgerkrieges wurde ein Offizier, welcher 4 Jahre lang alle Nöten desselben mitgemacht hatte, von dem jetzigen General Merrill gefragt: ,,Welches von allen Ihren Erlebnissen im Felde, im Lager, im Gefängnis oder im Spital hat den tiefsten Eindruck auf Sie gemacht?" Nach kurzem Besinnen antwortete er: „Lines Tages sah ich in einem Spital, wie eine Dame, die ihre ferne Heimat verlassen hatte, um den Kranken und verwundeten zu dienen, mit Waschbecken und Handtuch von Bett zu Bett ging, um den armen, zum teil sterbenden Soldaten mit zarter Hand die Füße zu waschen. Sie that dies mit solcher Demut, als geschehe ihr ein Dienst damit, nicht umgekehrt. Ich mußte mich abwenden, um die Thränen abzuwischen, die mir in die Augen traten, wenn alle andern Erinnerungen mir entschwunden sein werden: diese wird bleiben." Als Merrill kürzlich nach dreijährigem Aufenthalt in Indien nach Amerika zurückkehrte, erzählte er diese Geschichte beim Abschied von seinen Freunden in Kalkutta mit dem Hinzufügen: „was in Indien den tiefsten Eindruck auf mich gemacht hat, war der Anblick derer, die aus weiter Ferne hierher gekommen sind, um den Geringsten und Verkommensten nachzugehen, sie zum Vater im Fimmel zu weisen und ihnen von den vielen Wohnungen dort oben zu sagen, wenn all die bunten Bilder des indischen Lebens, die ich gesehen, sich werden verwischt haben, so wird dies eine noch hell und klar in meinem Gedächtnis stehen bleiben." Der ewige Jude und die Nervenheilkunde. Dies Thema behandelt ein Vortrag des pariser Professors Dr. Henry Meige, eines Schülers des berühmten Lharcot. Nach seinem Dafürhalten ist der „reisende Nervenleidende," welchen man immer unter den Insassen der Salpetriöre, eines Krankenhauses in Paris, finden kann, der Ahasverus der deutschen Sage, der Kartophilus des Gregorius von Tours, der Isaak Laquedem der Heiligenbilder von Ep mal, der ewige Jude aller Zeiten und Länder. Wenn ein Kranker verschwindet, tritt sofort ein anderer an seine Stelle, aber immer bleibt es dieselbe Figur. Er gehört zu jenen mittellosen Israeliten, die in jammervollem Aufzuge plötzlich in dem Wartesaal der Klinik auftauchen. Ihr abgemagertes Antlitz, von liefen und traurigen