Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 50 (1894)
- Issue
- 10 (1894)
- Date
- 1894-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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76 auch Apg. 6, 9) wußten die jüdischen hohen Schulen zu Jamnia und Tiberias neue nicht hinzuzufügen. Vergebens suchte man sich aufs neue zu einem Geisteskampf zu ermannen. Alan entschloß sich daher die Kirche zu ignorieren, sie mit Verachtung zu strafen. A)ie kann die Kirche nun mit einem am Boden liegenden Feinde kämpfen? „Ungleiche Waffen kreuzen sich nicht." Befremdlich wie diese, das Recht und die Pflicht der Iudenmission bestreitende Ausführung ist ferner, was S. (( über den Beginn der Heidenmissionsthätigkeit Pauli gesagt wird. Nicht erst infolge des Widerstandes, den dieIuden bereiteten, wandte sich der Apostel dieser Arbeit zu. Professor St. übersieht Apg. 9, (5. Desgleichen ist S. \2 die Schilderung des Lohnes, den Paulus von der Völkerwelt empfing, in ihrer Allgemeinheit nicht richtig. Daß das Judentum „jede Entbietung" des Paulus zurückgestoßen habe, wie S. 39 behauptet wird, läßt sich nicht beweisen. Und so sind wir auch sonst oft genötigt, ein Fragezeichen an den Rand zu setzen. Namentlich überrascht die geringe Kenntnis des nachbiblischen Judentums und seiner Beziehungen zum Christentum. Weint St. wirklich, daß der Vorhang in einer „jüdischen (I) Synagoge" (5. 6) „eine absolute Leere" verhüllt? Weiß er wirklich nur von einem „hochgradigen Widerwillen" Luthers gegen das Judentunr (S. 25), nur von einer in neuerer Zeit angeordneten kirchlichen Fürbitte für Israel und von „vereinzelten schüchternen Lauten," die während des Lessingschen Zeitalters ein Interesse der Lutheraner an Israel bekundeten (S. 2% f.)? Andererseits bietet aber die obige Schrift so viele beachtenswerte Gedanken dar, daß wir ihre Wängel fast vergessen. So betont St. mit Recht betreffs der Iudenfrage, die Kirche dürfe sich um ihres Berufes willen nicht in Dinge einlassen, die nur „das vergängliche Wesen dieser Welt" berühren (S. 6). Israels hohe, einzige Stellung unter den Völkern wird treffend geschildert. Die ihm zuteil gewordenen Verheißungen sind „dem tiefsten Schacht der Gotteshuld entsprungen". Israel verstand und vollführte seine Wifsion nicht und mußte seinen Platz der Kirche überlassen. Trotzdem bestand es weiter. Dies ist aus endlichen Ursachen nicht zu erklären. Aber die heilige Schrift hat sich hierüber ausgelassen: Paulus giebt der Thristenheit Belehrungen, Wahnungen und auch Warnungen im Blick auf Israel. Wit diesem Abschnitt der Bibel, Röm. 9—ff, beschäftigt sich St. eingehend in 3 Kapiteln. Die Überschriften lauten: „Der Seelenschmerz des Paulus." „Der Fernblick des Apostels." „Das Ideal des Propheten." Auf Röm. 9 - ff bezieht sich nach dem Vf. Kap. (5,(3. Bei dem, was der Apostel über Israel sagt, war ihm das volle Einverständnis der römischen Gemeinde nicht gewiß. Den Grundstock derselben bildeten Heidenchristen. Die judenchristliche Winderheit stand unter einem gewissen Druck (Röm. (<(, (; (5, (). Da greift Paulus als der Heidenapostel freimütig und kühn zu einer Pression. Seine Leser sollen die eigenen Gedanken und Empfindungen in dieser Sache verleugnen und sein Zeugnis vernehmen, bei welchem ihm die heilige Schrift zur Seite steht. (Nirgends häufen sich bei Paulus die a. t. Titate so wie Röm. 9—((.) Gott hat Israel zwar (teilweise, fügen wir hinzu) verblendet