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Dibre Emeth · 1894-01-01 · 9 (1894) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
50 (1894)
Issue
9 (1894)
Date
1894-01-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Unter der Möel. Auf einem der Stadtthore von Schiras befindet fich eine alte Koranhandschrift. An jeden: Donnerstag-Abend kommen viele Muhammedaner hierher, um unter diesem heiligen Buche durchzugehen. — wir wollen uns nicht nur beim Beginn unseres wöchentlichen Sabbaths, sondern allezeit — zwar nicht dem Leibe, aber dem Geiste nach — unter unser heiliges Buch, die Bibel, stellen. „Ich bin unter Gott," sagte Joseph zu seinen Brüdern ({. Mose 50, 19). Die Bibel lehrt uns die rechte Unterthänigkeit und Unterthanentreue gegen Gott, wer unter der Bibel lebt, lebt unter Gott. Zu Jes. 1, 18. Nach dem Babylonischen Talmud (Traktat Joma, Kap. 4) band der Hohepriester am großen versöhnungstage ein zungenförmiges Stück roter wolle an den Kopf des Bockes, welcher in die wüste Hinausgetrieben wurde. Dem zweiten Bock dagegen, welcher zur Schlachtung „bestimmt war, wurde eine solche scharlachrote Zunge an den Hals gebunden. Der Überlieferung zufolge verloren jene wollenen Streifen allemal nach Vollzug des vorgeschriebenen Opfers ihre rote Farbe und wurden weiß. Aber 40 Jahre vor der Zerstörung des Tempels durch Titus hörte dies Wunder auf. vergeblich wartete man auf ein Zeichen, daß Gott das dargebrachte Opfer in Gnaden angenommen und die Sünden des Volkes vergeben habe. Die roten Zungen blieben rot. Die alten Rabbiner, deren Angaben die Gemara hier wiedergiebt, berichten auch noch von andern außerordentlichen Vorgängen, die in der genannten Zeit eingetreten seien. Z. B. öffneten fich die Tempelpforten von selber. — wir wissen, welche furchtbare Schuld Israel q.0 Jahre vor den: Untergang seines Heiligtums auf sich geladen hat, welche eingreifende Änderung in seinen: Verhältnis zu Jehovah damals erfolgt ist. Jene talmudischen Sagen enthalten einen geschichtlichen Kern, eine traurige Wahrheit. Seitdem Israel seinen Messias von sich gestoßen hat, hofft es vergeblich auf Versöhnung am versöhnnngstage. Aber die Barmherzigkeit Gottes will über die Gerechtigkeit triumphieren. Sie bietet aufs neue Schuldenerlaß und Sündentilgung an. Sie hat nicht nur dem einzelnen Kinde Israels, sondern dem ganzen Volk die herrlichste Erfüllung von Jes. j, \8 zugedacht. Der Weg zu diesen: Ziel ist der Glaube an Jesum, den Messias (Apg. ^z, 38 f). Zu 1. Hhessat. 4, 13. In der Nähe von Saloniki, dem alten Theffalonich, wurden neuerdings 2 mit Inschriften versehene, alte Särge ausgegraben. Äuf dem einen las man: „Im Tode keine Hoffnung!" — auf dem andern: „Christus ist mein Leben!" Der Heide, welcher in dem ersten Sarge ruhte, war mit Verzweiflung, der Christ, dessen Leib der zweite barg, mit getroster Zuversicht von hinnen geschieden. Jüdische ßhronik. Der in Berlin kürzlich gegründete antisemitische „Deutschbund" zählt bereits 200 Teilnehmer. — In Pankow-Berlin wurde am \7. Juni eine Anstalt für die Erziehung von \2 armen Mädchen zu Dienstboten, am 2H. ein Heim für Waisenmädchen eröffnet. — In Breslau tagte am j[6. Juli der Reichsverband jüdischer Religionslehrer. — In Königsberg i. Pr. wurde am 26. Mai der Grundstein zu einer neuen Synagoge gelegt, in Lüneburg am 6. Juni eine solche eingeweiht. — An: 2?. Mai fand in Frankfurt a. M. die Generalversammlung des Vereins „Lemaan Zijjon" statt. Derselbe vereinnahmte in den Jahren ^89^—9^ 56 300 und verausgabte 62 300 Mk. Ünter den Ausgaben befinden sich folgende Posten: 2*500 Mk. für den Vereinsarzt Dr. A. Feuchtwanger in Jerusalem, welcher 40 000 Kranke unentgeltlich behandelte, und seine Apotheke, 9000 für die Begründung neuer jüdischer Gemeinden in Ramleh, Tud, Nablus, Nazareth u. s. w., 3206 für die Erteilung arabischen Unterrichts in verschiedenen Schulen Palästinas, 2500 für die Ausbildung von *0 Palästinensern in Europa, 600, bezw. 200 für die jüdischen Ärzte in Liberias und Hebron. Mehr als *0 000 wurden *50 Personen zinslos dargeliehen. — Der badische israelitische Oberrat untersagte die fernere Benutzung des in einer Privatschule eingeführten Auszugs aus dem Schulchan Aruch (Kizzur Sch. A.). Infolge einer Weisung des Ministeriums trug er außerdem den Rabbinern auf, darüber zu wachen, daß jenes für den Jngendunterricht ungeeignete Buch in den Schulen nicht gebraucht werde. — Ein von den jüdisch-nationalen

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