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Dibre Emeth · 1894-01-01 · 9 (1894) · page 8

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Journal
Dibre Emeth
Volume
50 (1894)
Issue
9 (1894)
Date
1894-01-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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72 Studenten Prags an die dortigen Abiturienten versandter Aufruf entlMt folgende Worte: „An allen Hochschulen Österreichs und Deutschlands besteht eine scharfe Scheidung zwischen jüdischen und nichtjüdischen Studenten. Trotzdem die ersteren überall bestrebt waren, im Deutschtum, im Slaventnm ganz aufzugehen, dem nationalen Chauvinismus huldigten und von ihrem eigenen Volke, den Juden, nichts wissen wollten, wurden sie doch mit Hohn und Spott von den Nichtjuden abgewiesen und ans den Vereinen, deren Begründer sie oft waren, ausgeschlossen. Die Juden sind keine Deutschen, keine Slaven: sie sind ein Volk für sich. Darin waren alle einig bis auf die Juden, die weiter fortfuhren, den fremden Nationen Frohndienste zu leisten, um für ihre lächerliche Zudringlichkeit Verachtung einzuheimsen. Statt offen und ehrlich für ihr verschmähtes und zurückgesctztes Volk zu kämpfen, steckten sie gleich dem Vogel Strauß den Kopf in den Sand, sobald man ihnen „Jude" zurief, und glaubten, indem sie unter dein Namen Liberalismus ihre Kämpfe austrugen, unerkannt zu bleiben. So war es bis in die jüngste Zeit. Doch das Maß der Erniedrigung und Selbstpreisgebung war voll. Es wurden Stimmen laut, die sagten: „Sollen wir uns einer Gesellschaft aufdrängen, die uns in ihrer Mitte nicht dulden will? Sind wir denn wirklich so tief gesunken, daß wir uns nicht auf eigene Füße stellen können? Sind wir vielleicht nicht deshalb so verachtet, weil wir uns selbst als Juden nicht achten?" Der stetig anwachsende Antisemitismus machte die Beantwortung dieser Fragen leicht. Und so entstanden in Wien, Czernowitz, Berlin, Heidelberg u. s. w. jüdisch-nationale Studentenvereine, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, das jüdische Nationalbewnßtsein zu heben, und so auch in Prag der jüdisch-nationale Studentenverein „Maccabaea". Sein erster Grundsatz lautet: Die Juden waren und bleiben ein Volk für sich, vermöge ihrer Abstammung, ihrer Geschichte, ihres Denkens und Empfindens. Genug der Erniedrigung und Selbstverleugnung! Genug der Zurücksetzung! „Du, Jude, darfst kein Sklave sein, du haltest Maccabäer!" von Parteileidenschaft verblendet, scheuten sich viele unserer eigenen Stammesgenossen nicht, unsere erhabenen Ziele zu verleumden und unsere Ideale zu schwärzen. Aber wir werden fortfahren, unbekümmert um unsere Gegner, unsere Wege zu gehen und mutig für die Ehre unseres Volkes, für Freiheit und Wahrheit zu kämpfen." Der Aufruf fordert schließlich zum Eintritt in die Reihen der jüdisch-nationalen Studentenschaft auf. — In Ungarn wurde der Gesetzentwurf über die Rezeption der Juden vom Abgeordnetenhanse angenommen. Die Juden waren bisher den Christen noch nicht völlig gleichgestellt. Jüdisch-christliche Ehen und Übertritte vom Christentum waren nicht gestattet, sofern es sich um Mitglieder der rezipierten christlichen Konfessionen handelte. Bei dieser Gelegenheit führen wir die wichtigsten Gesetze betreffs der Juden aus der Geschichte Ungarns an. Schon \o<)2 wurde ihnen die Ehe mit christlichen Frauen untersagt. *360 vertrieb sie König Ludwig der Große. Derselbe Fürst erließ ihren Schuldnern die Schulden ganz oder doch teilweise. Zu dem Amt der Iudenrichter für Streitigkeiten zwischen Christen und Juden kam das der Iudenpräfekten am Hofe hinzu, durch welches ihre Rechte vertreten werden sollten. Später wurden die Inden besteuert. Zolleinnehmer durften sie nicht sein. Das Jahr *520 befreite sie von der Pflicht, ein besonderes Gewand tragen zu müssen. Unter Joseph II. dursten sie eigene Religionsgemeinden bilden, Säbel tragen, den Bart wachsen lassen u. s. w., seit 1790 sich in einigen königlichen Freistädten niederlassen. ^6 wurden sie von der Toleranzsteuer befreit. *86? erlangten sie ^hauptsächlich durch Franz Deäk) die meisten Rechte der übrigen Bevölkerung. — Nicht weit von Mekka haust ein Beduinenstamm, der sich „Jahudim" nennt, und an dessen Zugehörigkeit zum Judentum kein Zweifel sein soll. Diese Beduinen brandschatzen die Mekkakarawanen. Dieselben müssen sich von ihnen loskaufen, wenn sie nicht ausgeplündert sein wollen. Eine Abgabe an die Regierung entrichten die jüdischen Beduinen nicht. Die gegen sie ausgesandten türkischen Truppen konnten ihnen ihr Räuberhandwerk nicht legen. — JnNew-Hork verbanden sich christliche und jüdische Prediger zur Durchführung der von dem vorjährigen Religionskongreß in Chikago angeregten Gedanken. Am 27. Mai starb Rabbiner Di'. Alex. Kohut, Mitbegründer des New-Horker Rabbinerseminars, Herausgeber des fünfbändigen „Anicli completum“. Herausgeber: Prediger w. Becker, Friedenau-Berlin, Hauffstraße \5. Verlag: Goßner'sche Missionsbuchhandlung, Friedenau-Berlin. Jahresxreis: 80 Pf. Druck von I. windolff, Berlin S.W., Lharlottenstraße 88.

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