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Dibre Emeth · 1894-01-01 · 9 (1894) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
50 (1894)
Issue
9 (1894)
Date
1894-01-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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70 Tode schrieb Paulus den 2. Timotheusbrief, den letzten von seinen uns erhaltenen (3 Briefen, von denen 9 an 7 Gemeinden, 4 an 3 einzelne Personen gerichtet sind. Wie bedeutsam seine schriftliche Thätigkeit war, bei der übrigens meistens ein Schreiber zugezogen wurde (Gal. 6, (( redet er von seinen eigenen großen Buchstaben), ist schon daraus zu ermessen, daß von den 4698 Wörtern des griechischen Neuen Testaments 597, also mehr als der (0. Teil, nur von ihm gebraucht werden. Wohl allen, die mit dem ehemaligen Schüler Gamliels bekennen dürfen: „Gott hat uns nicht gesetzt zum Zorn, sondern die Seligkeit zu besitzen durch unfern Herrn Jesum Thristum!" An ihnen erfüllt sich immerdar die Verheißung Jesu: „Wer an mich glaubt, voll des Leibe werden Ströme des lebendigen Wassers fließen." Aus Mogador berichtet Miss. Zerbib von der gewaltigen Aufregung, welche der plötzliche Tod des Sultails Muley Gl Hassan unter den dortigen Juden am (2. Juni d. I. hervorrief. Der Anblick der schreienden und weinenden Menge erinnerte ihn lebhaft an 5. Mose 26,56 f. Ein Araber wandte sich an die Geängstigten mit den Worten: „Warum seid Ihr so erschrocken? Ist der Sultan tot, so lebt doch noch der große Sultan (Gott). Er ist imstande, seine Geschöpfe vor dem Feinde zu bewahren. Sein Wille geschehe I" Aus den himmlischen Tröster verwies auch der Missionar die armen Leute. Nicht lange vor dem Thronwechsel erhielten die Juden in Mogador und im übrigen Marokko den Befehl, die „Gizia" zu bezahlen, d. h. die Steuer, welche jährlich an den Sultan zu entrichten ist. Für die Mellah (die jüdische Gemeinde) von Mogador beträgt diese Abgabe \2 000 Mk. hierzu kommen noch 5% für den Gouverneur der Stadt, dessen Soldaten in Verbindung mit dem Scheikh der Mellah das Geld eintreiben. Jm Innern des Landes, namentlich in der Hauptstadt Marokko, bereitet man den Juden bei dieser Gelegenheit große Demütigungen. An dem letztgenannten Ort wird am Eingang des Iudenviertels ein Zelt aufgeschlagen, in welchem die Steuerbehörde sich niederläßt. Nun werden je 4 Steuerzahler zur Zeit vorgeladen. Derjenige, dessen Name aufgerufen wird, zieht die Schuhe aus, entblößt fein Haupt und betritt das Zelt. Hier beugt er sich vor dem Gouverneur bis zur Erde nieder und überreicht den ihm auferlegten Betrag. Dann erhält er von einem Soldaten 3 Schläge mit der flachen Hand auf den Aopf: ein Zeichen seiner Anechtschaft. Nachdem er noch die Hände aller anwesenden Araber geküßt hat, zieht er sich mit den Worten zurück: „Gott verlängere das Leben unseres Sultans und gebe ihm Sieg über seine Feinde!" In der Stadt Marokko waren die Juden namentlich in den beiden letzten Jahren besonderen Verfolgungen ausgesetzt. Auch die Vorstellungen auswärtiger Mächte führten keine Wendung zum besseren herbei. (Schluß folgt.)

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