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Dibre Emeth · 1894-01-01 · 9 (1894) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
50 (1894)
Issue
9 (1894)
Date
1894-01-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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67 unruhiger Geist, welcher sich nach der Absetzung des Archelaus gegen eine von Huirinius befohlene Volkszählung auflehnte und ebenfalls umkam. Also, folgerte Gamliel, ist es unnötig, ja, vergeblich, diese Menschen zu verfolgen. „Wäre das Werk von Menschen, so wird es untergehen. Ist es aber aus Gott, so könnt Ihr es nicht dämpfen, daß Ihr nicht erfunden werdet als Leute, die wider Gott streiten wollen." Aufgrund dieser Rede wurden die Apostel nur gegeißelt und bedroht, dann aber entlassen. Am 25. April \52\ hielt Luther dem Aursürsten von Trier den Ratschlag Gamliels vor und wünschte, daß die Reformation hiernach beurteilt würde. Sicherlich kann das Böse auf die Dauer nicht bestehen und muß das Gute endlich zum Siege kommen. Jedoch läßt Gott das Gute zur Prüfung oder Bestrafung der Menschen manchmal eine Zeitlang unterdrücken. Der äußere Erfolg soll daher das Urteil nicht bestimmen, sondern die Sache. Und das Christentum hat einen mächtigen Anwalt in sich selbst. Der Blinde bemerkt die Sonne, wenn er sich in ihr Licht stellt. Wer das Evangelium auf sich wirken läßt, darf erkennen, daß es himmlische Kräfte besitzt und geistliches Leben wirkt. Eine christliche Sage behauptet, Gamliel sei heimlich zur Kirche übergetreten. In Pisa wird sogar ein Grabmal von „St. Gamaliel" gezeigt. Aber darin, daß er es für eine offene Frage hielt, ob die größte geistliche Bewegung seiner Tage einen göttlichen Ursprung habe, liegt kein genügender Beweis für die Annahme seines Übertritts. Der griechische Wortlaut seiner Rede (der Wechsel von „wäre" und „ist") deutet nur darauf hin, daß er bei jenem Ereignis das Gutachten abgab, ein höherer Grad von Wahrscheinlichkeit sei der bejahenden Beantwortung der obigen Frage zuzuerkennen. Leider wurde die Ahnung bei ihm nie zur Gewißheit. Er starb i. I. 52 (nach andern erst 88), ohne zu dem seligmachenden Glauben der Nachfolger oder des Vorläufers Jesu (Ioh. 3, 30 ff.) gelangt zu sein. Auch sein Sohn Simon und sein Enkel Gamliel II. standen in dem Kampf der beiden Religionen aufseiten der jüdischen. Ja, Gamliel II., der in den Jahren 90—((0 in Iabne (Iamnia) lehrte und hier die Würde eines Synedralhauptes oder Patriarchen (Nasi) der zerstreuten Juden innehatte, ließ sogar eine Verwünschung gegen die Minim, d. h. die Iudenchristen (von Maaminim?), in das Achtzehnbittengebet einschalten. Aber ein Schüler des alten Gamliel wurde ein Vorkämpfer der Kirche, „ein Vornehmster der Sekte der Nazarener." Zu den Füßen des gefeierten Lehrers saß längere Zeit ein junger Benjaminit aus dem cilicischen Tarsus, dem glänzenden Mittelpunkt griechischen Lebens in Kleinasien, der Stadt, die als eine Nebenbuhlerin von Athen und Alexandrien betrachtet wurde. Dort war er i. I. 7 unserer Zeitrechnung zur Welt gekommen. Schau! oder Saul, d. h. der Erbetene, wurde er bei der Beschneidung genannt. Aber nur unter seinen Religionsgenossen führte er den Namen des ersten israelitischen Königs: unter den Griechen hieß er Paulus. Dies entsprach einem Brauch der Juden, die außerhalb Palästinas ansässig waren. So führte z. B. ein Iosua auch den Namen Jason. Der Name

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