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Dibre Emeth · 1894-01-01 · 9 (1894) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
50 (1894)
Issue
9 (1894)
Date
1894-01-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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66 Der erste Teil dieses Satzes, eine oratio pro domo, trifft nur da zu, wo der Lehrer selbst zu voller Alarheit gelangt ist. Der zweite verlangt mit Recht Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit für die Ausübung der religiösen Pflichten. Der, welcher den Zehnten aufgrund von Mutmaßungen entrichtete, konnte als Geizhals angesehen werden, wenn er zu wenig, als Verschwender oder Heuchler, wenn er zu viel gab. Gamliel war ferner der Ansicht, daß das Studium des Gesetzes zur Sünde gereiche, wenn es nicht von einer andern Arbeit begleitet werde. Thatsächlich trieben damals manche Gelehrte ein Handwerk. So war ein Rabbiner ein Sandalenmacher, ein anderer ein Fleischer. Eine Vereinigung der wissenschaftlichen mit der praktischen Thätigkeit sollte man stets erstreben. Wenigstens sollte die Gelehrsamkeit mit irgend einer Aunst einen Bund eingehen. Dem Gelehrtendünkel begegnete Gamliel einmal dadurch, daß er etliche Berufsgenossen stehend bei Tisch bediente. Diese liebens- und lobenswürdige Demut, welche allerdings hinter der Ioh. (3 geschilderten noch weit zurückblieb, erregte damals großes Aufsehen. Rabban Gamliel übte aber nicht nur als Leiter einer Schule einen weitgreifenden Ginfluß aus: er war gleich seinem Großvater Hillel und seinem Vater Sinion auch Vorsitzender (Nasi) des Synedriums. Hillel bekleidete diese Würde, als Jesus, der als ein Nachkomme Davids mit ihm verwandt war, von den morgenländischen Weisen gesucht wurde (Matth. 2). Simon führte den Vorsitz, als der Erlöser vor dem Hohenrate angeklagt wurde, trat aber freilich vor dem stolzen, blutdürstigen Hohenpriester Uaiphas ganz zurück. Gamliel sollte das entscheidende Wort in einer Sitzung jener Behörde sprechen, bei welcher man die Apostel wegen ihrer predigt von Jesu zur Verantwortung zog (Apg. 5). Petrus verfocht hier zwar feine Sache aufs beste. „Der Gott unserer Väter," erklärte er, „hat Iesum auferweckt, welchen Ihr erwürgt und ans Holz gehängt habt. Gott hat ihn durch seine rechte Hand erhöht zu einem Fürsten und Heiland, zu geben Israel Buße und Vergebung der Sünden. Und wir sind seine Zeugen über diese Worte und der heilige Geist, welchen Gott gegeben hat denen, die ihm gehorchen." Hiermit begründete der Apostel den Satz: „Man muß Gott mehr gehorchen als den Menschen." In derselben Weise bekannte Luther am J8. April (52( zu Worms: „Mein Gewissen ist in Gottes Wort gefangen. So kann und will ich nichts widerrufen, weil weder sicher noch geraten ist, etwas wider das Gewissen zu thun." Aber wie in Worms, so wollte man auch in Jerusalem trotz der glänzenden Verteidigungsrede mit Gewaltmaßregeln Vorgehen. Da trat Gamliel für die Jünger Jesu auf: das fei ihm unvergessen I Er warnte die Mitglieder des Rats: „Nehmet Euch in Acht bei diesen Männern, was Ihr thun wollt!" Und nun zeigte er an zwei Beispielen, wie Menschenwerk in kurzem von selbst untergeht. Er wies zuerst auf Thendas hin: jenen Rabbi Matthias, der noch unter dem ersten Herodes wegen eines Aufruhrs lebendig verbrannt wurde. Sein, zweites Beispiel war der Galiläer Judas, ein Pharisäer von der Richtung des strengen Schammai, ein

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