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Dibre Emeth · 1894-01-01 · 9 (1894) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
50 (1894)
Issue
9 (1894)
Date
1894-01-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Ein Monatsblatt für Israeliten und Freunde Israels. Nr. 0. — 50. Jahrgang. Inhalt: Aus der Schule Gamliels des Alten. — Aus Mogador. — Unter der Bibel. — Zu Jes. 1, *8 — Zu J. Thessal. 13. — Jüdische Chronik. Aus der Schule Gamltels des Alten. An die Hunnenschlacht des Jahres n. Thr. knüpft sich eine merkwürdige Sage. Ihr zufolge führten die Geister der im Kampf Erschlagenen nach der Besiegung Attilas durch Aötius noch 3 Tage lang in der Luft den Streit fort. Vor mehr als J800 Jahren wurde die Entscheidungsschlacht zwischen den Religionen des Gesetzes und des Evangeliums geschlagen. Lhristentum und Judentum gingen forran ihre besonderen Wege. Aber der Kampf, der einst mit großer Festigkeit von beiden geführt wurde, ist noch nicht zu Ende. Er entbrennt immer aufs neue. Die Geister derer, die zuerst an ihm teilnahmen, ringen auch in der Gegenwart miteinander. Und so wird es bleiben, solange Kirche und Synagoge nebeneinander bestehen. Daß unser Kampf nur wirklich immer ein Geisterkampf wäre und nie den Schein erweckte, als wollten wir einander mit Lanzenstichen, Schwerthieben und Keulenschlägen vernichten! Das obige Thema ruft das Gedächtnis der Zeit wach, in welcher der soeben beschriebene Kampf begann. Dasselbe soll zuerst in dem Sinne behandelt werden, in welchem wir die Redensart „aus der Schule plaudern" anwenden, hernach wird von einem folgenreichen Austritt aus dem Jüngerkreise des großen israelitischen Lehrers die Rede sein. Der Name Gamliel kommt Mose \ als Bezeichnung des Fürsten vor, welcher während des Wüstenzuges an der Spitze des Stammes Manaffe stand. Die griechische Form des hebräischen Wortes lautet: Gamaliel. Der hier vorzuführende Träger des Namens war ein Zeitgenosse Jesu, ein Enkel hillels I. und wie dieser ein Meister der damaligen jüdischen Schriftgelehrsamkeit. Der Beiname unterscheidet ihn von seinem gleichnamigen Enkel. Gamliel der Alte, ein Mitglied der Pharisäersekte, war der erste, welcher den noch mehr als Rab oder Rabbi besagenden Titel Rabban führte. Man pries ihn auch als den Glanz des Gesetzes. Er hatte angeblich zur Zeit fOOO Schüler, von denen je 500 abwechselnd das Gesetz und die griechische Weisheit studierten. Eine Probe seiner Denk- und Lehrweise findet man in den Sprüchen der Väter. Er sagte B.: „Verschaffe dir einen Lehrer, so wirst du dich über den Zweifel erheben, und gieb den Zehnten nicht oft nach bloßer Abschätzung."

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