Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 50 (1894)
- Issue
- 8 (1894)
- Date
- 1894-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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62 Ernst Curtius über Astg. 17, 16 st. Am 9. November f893 hielt der betagte, aber immer noch geistesfrische Professor Eurtius, der berühmte Renner des griechischen Altertums, in der Akademie der Wissenschaften zu Berlin einen Vortrag über das Auftreten des Apostels Paulus in Athen. Es ist dies, wie er bemerkte, eine Epoche in der Geschichte der Menschheit, deren richtige Würdigung das Interesse des Philologen, des Historikers und des Theologen gleichmäßig in Anspruch nimmt. „Wer den Bericht der Apostelgeschichte unbefangen auf sich wirken läßt," sagte Eurtius, „kann sich dem Eindruck nicht entziehen, daß ein wohlunterrichteter Zeuge wahrheitsgetreu den Vorgang schildert. Es ist in den Versen des Textes eine Fülle von geschichtlichem Material enthalten. Es ist alles prägnant und eigenartig, lebensvoll und charakteristisch. Es ist nichts Redensartliches und Schablonenhaftes darin, wie es der Fall sein würde, wenn jemand eine erdichtete Erzählung vorträgt. Es ist auch unmöglich, eine Tendenz nachzuweisen, welche eine Erfindung irgend wahrscheinlich machen könnte. Man muß in Athen zu Hause sein, um den Bericht recht zu verstehen. Der Stadtmarkt von Athen war eine Weltbühne, wo jede neue Lehre ihre Probe zu bestehen hatte. Athen war vorzugsweise die Stadt, wo Unterhaltungen über höhere Wahrheit auf ein allgemeines Interesse rechnen konnten. Darum machte es Paulus hier wie Sokrates, indem er Tag für Tag mit denen, die ihm auf der Straße begegneten, Gespräche anknüpfte. So füllte sich der Markt allmählich mit einem hörlustigen Publikum Einheimischer und Fremder, und die Philosophen, die hier das Wort führten, reizte es, sich mit dem hergelaufenen Weisheitslehrer zu messen. Uni ihre Neugier zu befriedigen, veranlassen sie eine längere Mitteilung vonseiten des Paulus und suchen der zu erwartenden Rede dadurch eine höhere Bedeutung zu geben, daß sie die,, Behörden der Stadt daran beteiligen." Eurtius ging dann auf das Äußere des Hergangs näher ein, der sich nicht auf dem entlegenen Felshügel des Areopags abgespielt habe, sondern auf dem Markte selbst. Er sprach weiter seine Überzeugung dahin aus, daß, wer den geschichtlichen Wert des Berichts über Paulus in Abrede stelle, eins der wichtigsten Blätter aus der Geschichte der Menschheit reiße. _ . Ju 1. Timotheus 4, 7*l u. 8. „Halten Sie es noch für nötig, sich täglich auf Ihren: Instrument zu üben?" fragte jemand den berühmten Tonkünstler Anton Rubinstein. Er erwiderte: „Wenn ich es einen einzigen Tag unterlasse, so nierke ich es sofort. Sollte ich es zwei Tage unterlassen, so würden es meine Freunde merken. Ließe ich aber drei Tage vorübergehen, ohne mich gehörig zu üben, so würde es das gesammte Publikum merken." — Die Übung, deren die Gottseligkeit immerdar bedarf, ist das Gebet. Wer nicht täglich die Seele zum Himmel erhebt, verliert schnell seine himmlischen Aräfte. Zuerst bleibt dies vielleicht der Außenwelt verborgen, Dann merkt es die nächste Übung Endlich sieht jedermann, welche Änderung stattgefunden hat.