Mannheim
Compact Memory

Dibre Emeth · 1894-01-01 · 7 (1894) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
50 (1894)
Issue
7 (1894)
Date
1894-01-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2554541-2555074-2555081--09377-2565528
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

5\ besaß, gegeben hatte, sah der Aönig nicht. Er wurde nicht müde, sich von seinen Unterthanen ehren zu lassen, aber er entzog dem Herrn der Welt die ihm gebührende Ehre. Einmal gestand er dem Gott Daniels den Vorrang über alle Götter zu. Einmal bekannte er vor seinem ganzen Volk von dem Gott Sadrachs, Mesachs und Abednegos: „Es ist kein anderer Gott, der also retten kann, als dieser." Aber die Dornen des trügerischen Reichtums erstickten den guten Samen des Wortes der Wahrheit. Auch der Traum, durch welchen Gott den Aönig ein Jahr vor dem hier erzählten Ereignis so eindringlich warnte, blieb ohne nachhaltige Wirkung. Er demütigte sich nicht wie Josia von Juda, als dieser aus dem Gesetz erfahren hatte, was Gott von ihm verlangte. So kamen denn furchtbar ernste Worte aus dem Wunde dessen, der nicht erst setzt Nebukadnezar. in die Schule der Demut aufnahm. Die Worte des göttlichen Lehrers sind Aeulenschläge, welche alle Erdenherrlichkeit des Schülers zertrümmern. Nicht nur vom Thron, sondern aus der Mitte der Menschen soll der Aönig verstoßen werden. Durch alle Zeiträume der Offenbarungsgeschichte tönen die ernsten Rufe des Erziehers der Menschen. £>, laßt Euch doch weisen, Ihr Aönige, und laßt Euch züchtigen, Ihr Richter auf Erden I Dienet dem Herrn mit Furcht und freuet Euch nüt Zittern, Ihr Bewohner des Staubes allzumal! Aüffet den Sohn, den letzten und erhabensten Zeugen der Macht und Gnade Eures Gottes! Ja, seid gesinnet, wie Jesus Thristus gesinnt war, der Gottessohn, der sich seiner göttlichen Gestalt entäußerte und Anechtsgestalt annahm, der sich so tief erniedrigte, daß er nicht nur seinen Jüngern die Füße wusch, sondern sich ans Areuz heften ließ! Demut war sein Schmuck und Liebe sein einziges Leben. Derselbe Schmuck soll Euch zieren, und was Jesus that, sollt Ihr nachähmen. Wer solche guten Ratschläge verachtet, den werden die Gerichtsschläge treffen, welche den Babylonierkönig zerschmetterten. Wer sich nicht mit Worten züchtigen läßt, der muß sich endlich eine Züchtigung mit Ruten gefallen lassen. Der widerspenstige königliche Schüler, den wir Dan. in der Schule der Deniut sehen, lernte die ganze Strenge der Schulzucht kennen. Weil er auch nach dem letzten Unterricht keine Sinnesänderung zeigte, verfiel er dem Gerichte. Der Lehrer führte seine Drohungen aus und wandte nun das zweite Erziehungsmittel an. Nebukadnezar wurde aus seiner Burg und seinem Volk verjagt und zum Tier: Vs. 30. In den Augen, vor deren Blicken und Blitzen bisher auch die Vornehmsten seines Reiches zitterten, brennt jetzt das unheimliche Feuer des Wahnsinns. Die Hände, welche Aronen verteilten, raufen Gras aus dem Boden, um es dem Munde als Nahrung zuzuführen. Der Leib, der im reichverzierten Prunkgemach auf einem weichen Pfühle ruhte, liegt unter dem Tau des Ejimntcls, aller Unbill der Witterung preisgegeben. Welch ein Anblick! Welch eine Wendung! Nach einer alten Überlieferung der Babylonier hat der Aönig, von dessen Demütigung hier berichtet wird, unmittelbar vor seinem Abscheiden seinem Volk eine Demütigung angekündigt, hat den Zusammenbruch feines

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.