Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 50 (1894)
- Issue
- 7 (1894)
- Date
- 1894-01-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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50 aber sein Geistesbild, wie es Daniel 27 gezeichnet wird, ins Auge, so liegt keine tiefe Aluft zwischen ihm und uns. Zwischen jenem längst dahingegangenen morgenländischen Herrscher und uns Abendländern, die wir dem Ende -es $. christlichen Jahrhunderts nahe sind, besteht vielmehr' eine überraschende Familienähnlichkeit. Der Selbstruhm, die Selbstvergötterung, die sich in den Worten Nebukadnezars kundgeben, find allen Menschen gemeinsame Laster. Wie eine arme Gazelle im hohen Urwald von den Ringen einer Boa oder Anakonda eingeschnürt wird, so umwickelt die Schlange des Hochmuts die arme Menschenseele. Die Eigenliebe geht in der Regel jeder andern vor. Eben deshalb bedürfen wir alle einer Schule, in welcher der Hochmutsteufel ausgetrieben wird. 2. Nebukadnezars Lehrer war kein Geringerer als der allmächtige Gott. Ehe der Aönig seine hochmütigen Worte ganz ausgeredet hatte, fiel eine Stimme vom Fimmel. In die menschlichen Laute mischten sich göttliche. In seinem ungeheuer« Reiche nahm Nebukadnezar den obersten Platz ein. Zu seinem Throne blickten Millionen empor. Ihm schmeichelten die Großen; seine Gnade erflehten die Armen und Geringen, unter ihnen die Gefangenen der vielen von ihm unterjochten Völker. Aber jetzt läßt sich einer vernehmen, der noch über dem mächtigen Herrscher steht: aller Aönige Aönig, der Erbherr über alle Heiden, der Weltenbaumeister, vor dessen Schöpfungen Nebukadnezars Prachtbauten verschwinden, wie ein Spinnengewebe oder eine Ameisenansiedlung nichts sind gegenüber einem hochragenden, vieltürmigen Dom. Aber Gott hat nicht nur damals und schon früher (vergl. Dan. 2 — H Nebukadnezar in die Schule der Demut ausgenommen: er entbietet sich allen Empfängern seiner Offenbarungen als Lehrer dieser Tugend. So redet er mit den ersten Maschen, als sie auf einem verbotenen Wege nach dem Ziele der Gottglcichheit streben. So wendet er sich an die hochmütigen Baumeister, bei denen Nebukadnezar seine Baukunst gelernt zu haben scheint, an jene Himmelsstürmer, von denen s. Mose ll die Rede ist. Und er hat nicht nur in grauer Vorzeit und in späteren Jahrhunderten manchmal und auf mancherlei Weise vom Himmel herab die selbstsüchtigen, ruhmredigen, eigenliebigen Menschen in seine Schule geladen: er ist zuletzt selbst auf Erden erschienen, um die Thore der Schule weit aufzuthun. Er hat das Leiden der Menschenkinder gesehen und ihr Seufzen gehört und ist herabgekommen, sie zu erretten. Der, in welchem dieser göttliche Advent stattgefunden hat, heißt: Jesus. In Jesu nahm Gott selbst den Riesenkampf mit dem ärgsten Feind unseres Glückes, der Schlange der Selbstsucht, auf. In der christlichen Airche errichtete er eine Heilstätte für die durch den Biß dieser Schlange Verwundeten. Soll der göttliche Lehrer der Demut nicht auch der unserige sein? Ein Selbstunterricht nutzt in diesem Falle nichts. Ein dem unserigen überlegener Geist muß uns jene Tugend anerziehen: sonst wird sie uns nie zuteil. 5. Der Unterricht, den Nebukadnezar erhielt, stellt die Sünde des Hochmuts ins rechte Licht und verkündigt das ihr bevorstehende Strafgericht: Vs. 28 f. Daß nur Gott ihm alle Herrlichkeit, die Babel