Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 50 (1894)
- Issue
- 4 (1894)
- Date
- 1894-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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30 Farel sich in demselben Jahr in die Schweiz begab, blieb Robert noch länger in Straßburg. Line schwere Krankheit seiner Frau und andere Prüfungen machten hier den Gottesgelehrten zu einem Kreuzesgelehrten. Ob er außer der Gastfreundschaft der Straßburger die von Gnrard Rouffel ihm in Aussicht gestellte Hilfe der Herzogin von Alencon, der späteren Königin von Navarra, genossen habe, ist ungewiß. Im Frühjahr J528 erhielt Robert durch Farels Vermittlung das Pfarramt zu Bex im Rhonethal, welches vor ihm Nikolaus von Diesbach, der Koadjutor des Bischofs von Bafel, innegehabt und ein von diesem eingesetzter Vikar Namens Lolumbi versehen hatte. Ls dauerte einige Zeit, bis die Gemeinde ihren Widerstand gegen die von der reformationsfreundlichen Regierung, dem Rat in Bern, getroffene Anordnung aufgab. In Bex durfte der ehemalige Pfarrer von Tournay bis an seinen um {555 erfolgten Tod bleiben und wohl mancher Seele ein Führer zu dem einigen Mittler werden, an dessen Stelle das Papsttum ein Heer von Fürsprechern gesetzt hat. Im März H330 sandte Franz Lambert von Marburg aus einen armen Glaubensgenossen aus Tournay über Straßburg nach Bex. Der Mann, ein Steinmetz, hatte in feiner Heimat \% Jahre im Kerker zugebracht und durch die Haft, noch mehr aber durch die Folter, welcher er von den Päpstlichen unterworfen worden war, seine Arbeitskraft teilweise verloren. Gewiß klopfte er nicht vergebens an die Thür seines Landsmanns in Bex, wenn er wirklich dies Ziel erreichte. In den Urkunden des \6. Jahrhunderts, denen wir die Geschichte des Simon Robert entnehmen, ist von einer jüdischen Abstammung desselben nicht die Rede. Man folgert die letztere aus einer Äußerung Ökolampads, die in feinem an Farel gerichteten Schreiben vom 25. Juli \525 enthalten ist. Der Reformator von Basel wünscht hier einem kurz zuvor zum Lhristentum übergetretenen Juden Glück. „Ls ist in meinen Augen etwas Großes," schreibt Ökolampad, ,,daß er Mose Lebewohl sagen und Christo Nachfolgen konnte." Die Nachfolge Lhristi ist, wie er weiter sagt, „sogar bei uns, die wir Christen heißen, etwas sehr Seltenes." Aber wir haben kein Recht, ja, die Bekleidung eines Pfarramts in Tournay von seiten Roberts verbietet es geradezu, bei diesem Proselyten an ihn zu denken. Nach dem Urteil eines hervorragenden Sachverständigen ist wahrscheinlich ein in der Geschichte der elsässischen Reformation unter dem Namen Antonius vorkommender Iudenchrist gemeint. Auch die Bezeichnung Roberts als eines „Kreuzesgelehrten", die Ökolampad am \2. Mai \528 gebrauchte, als er ihm einen Brief an Farel mitgab, kann als Beweis für die Annahme, daß Robert ein Iudenchrist war, nicht dienen. Eher läßt sich vermuten, daß er in Straßburg ein Iudenfreund wurde. Lin solcher war der Mann, unter dessen gastlichem Dache er Verberge gefunden hatte. „Ich bin," schrieb Lapito am 3tz Juli \528 an Zwingli, „ein Bewunderer des Altertums, das durch eine eigene, ehrwürdige Majestät mich anzieht. Aber wenn ich freie Zeit gewinne, so lasse ich das griechische und lateinische Altertum dahinten und ergehe mich mit Behagen bei den Hebräern. Was „das verworfene