Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 50 (1894)
- Issue
- 4 (1894)
- Date
- 1894-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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28 denen die Vollendung des alten Bundes durch Issum, den göttlichen Messias, ruht. Fast alle diese Schriften erschienen als Briefe an einzelne oder an Gemeinden. Man teilte sich dieselben gegenseitig mit, wozu ausdrückliche Aufforderungen seitens der Briefschreiber beitrugen. So beschwört Paulus die Leser des ersten Thessalonicherbriefes „bei dem HErrn," daß sie diese Epistel „alle heiligen Brüder" lesen lassen (5,27). Den Kolossern ruft derselbe Apostel zu: „Wenn die Epistel bei Euch gelesen ist, so schaffet, daß sie auch in der Gemeinde zu Laodicea gelesen werde, und daß Ihr die von Laodicea leset" (^, \6). Vgl. ferner Off. s, ((. Infolgedessen bildete sich eine Sammlung von Denkmälern der apostolischen Kirche. In der ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts ermahnte der christliche Philosoph Aristides einen römischen Kaiser, „die evangelische Geschichte und die übrigen Bücher der Christen" zu lesen. Justin der Märtyrer, ein Zeitgenosse des Aristides, redet von den Evangelien als den „Denkwürdigkeiten der Apostel". Daß man in der zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts in der abendländischen Kirche fast alle Bestandteile unseres Neuen Testaments kannte und gebrauchte, beweist namentlich der vielbesprochene Fund des Italieners Muratori. Weitere Zeugen hierfür sind Irenäus und Tertullian. Im Morgenlande verhielt es sich nach den Angaben von Klemens Alex, und Origenes ebenso. Mit der Entscheidung über den Inhalt des N. T. war eine Ausscheidung gefälschter und anderer ungeeigneter Schriften verbunden. In letzterer Einsicht verwarf die Kirche die angeblichen neuen Offenbarungen der Montanisten, in ersterer nicht nur Verstümmelungen des N. T., deren sich die Gnostiker schuldig machten, sondern auch untergeschobene Evangelien, Apostelgeschichten und Weissagungsbücher. Einen Einblick in diese kritische Arbeit gewähren die von Tertullian (f 220) berichteten Verhandlungen einer kirchlichen Versammlung über die Dichtung „Paulus und Thekla". Ihr Verfasser, ein Presbyter in Kleinasien, behauptete, er sei bei der Aufzeichnung dieser von ihm erfundenen Geschichte von Liebe zu Paulus geleitet worden. Aber seine Richter wollten eine solche Entschuldigung nicht gelten lassen. Sie erblickten in jener Dichtung eine Verletzung der Pflicht der Wahrhaftigkeit. Der Verfasser wurde genötigt, sein Amt niederzulegen. So hielt man unechte Schriften mit großer Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit von den echten fern. Bei einigen Erzeugnissen der ersten beiden Jahrhunderte schwankte das Urteil längere Zeit. Einerseits nahm man eine Zeitlang in die Sammlung der neutestamentlichen Schriften solche auf, die später wieder entfernt wurden (z. B. den Wirten des Hermas und den Barnabasbrief). Andererseits ließ man solche fort, die jetzt zum N. T. gehören (die sieben Antilegomena). Zum Austrag gebracht wurde der Streit hauptsächlich durch den Kirchenlehrer Athanasius (f 373), einen Mann, der in ganz anderer Weise als unsere modernen Kritiker und Kritikaster befähigt war, über derartige Dinge ein Urteil abzugeben. Seine Untersuchungen bewiesen die Gleichwertigkeit von sieben bestrittenen und von zwanzig unbestrittenen Schriften und die Minderwertigkeit einer Reihe anderer und stellten so unser jetziges N. T. her. Er