Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 50 (1894)
- Issue
- 4 (1894)
- Date
- 1894-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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">7 Der Ort, »ui lvetchem unsere gegenwärtige Bibelfeier zusammenhängt, heißt Hippo. Dies ist der Name einer aus der Geschichte des größten Lehrers der nachapostolischen Airche bekannten Stabt der Landschaft Numidien in Nordafrika. Im Unterschied von Hippo Zarytus, dem jetzigen Ariegshafen Bizerta, führte unser Hippo den Beinamen „Regius". Augustin, dessen Geburtsstadt Tagaste, das Sukahras der Neuzeit, war, wurde 592 Presbyter, 395 Bischof in Hippo Regius und blieb hier bis zu seinem Tode. Tr starb 30, während die Stabt von den Vandalen belagert wurde. Es ist der 8. Oktober 393. U)ir betreten im Geist ein Gotteshaus der nmnidischen Stadt, welches man uns als die „Basilica pacis“ bezeichnet. In der Sakristei dieser „Friedenskirche" tagt eine Versammlung von hervorragenden Vertretern der nordafrikanischen Lhristenheit. Der Erzbischof Aurelius von Aarthago, erst seit zwei Jahren Inhaber dieser hohen Würde, führt den Vorsitz. Es ist das erste Mal, daß er eine größere Airchenversammlung leitet. Ahnt er, daß die Synode des Jahres 393 einen Markstein in der Geschichte der heiligen Schrift errichten wird? Zunächst besprechen die Versammelten, unter denen der Presbyter Augustin von Hippo die Macht seines überlegenen Geistes bekundet, allerlei Fragen der Airchenzucht und Airchensitte. Z. B. wird der Gründonnerstag als allgemeiner Abendmahlstag anerkannt, an welchen: die neutestamentliche paffafeier morgens und abends stattzufinden hat. Dann aber faßt man Beschlüsse über die Zahl der heiligen Schriften, welche die Bibel bilden sollen. Es sind dies die in die christliche Airche hinübergenommenen Urkunden der israelitischen Religion, ferner eine Anzahl jüdischer Apokryphen, endlich die Geisteserzeugnisse des neuen Bundes, welche noch heutzutage den zweiten Hauptteil der Bibel ausmachen. Die Synode setzt fest, daß mit Ausnahme der Gedächtnistage der Märtyrer, an welchen die Geschichten der letzteren verlesen werden dürfen, im kirchlichen Gottesdienst nur die von ihr bezeichneten heiligen Schriften zu benützen seien. Wie ihre übrigen Bestimmungen, so soll auch die bezüglich der Bibel getroffene als Aanon, d. h. als Regel und Richtschnur für die Gläubigen angesehen werden. Die Geschichte des berühmten 36. Aanons von Hippo hat eine längere Vorgeschichte und wird erst aus dieser verständlich. Jener Beschluß schließt für das Abendland eine Arbeit ab, die im ersten christlichen Jahrhundert begonnen hatte. (Im Morgenlande kam es nie zu einem solchen förmlichen Abschluß.) Das Neue Testament zeigt, wie die Glieder der ältesten Airche das vornehmste Religionsbuch der Israeliten auch für sich in Anspruch nahmen (z. B. Apg. \7, ((: 2. Tim. 3, (6). Hierbei ging aber das A. T. in der Form und mit den Erweiterungen in die christliche Airche ein, welche es von den griechischen Juden empfangen hatte. So kam es, daß die Ehristenheit die alttestamentlichen Schriften nicht nur anders einteilte als die alte Synagoge, sondern auch gewissen nachbiblischen Schriften, jüdischen Apokryphen, Aufnahme in die Bibel gewährte. Allmählich entstanden nun auch Aufzeichnungen der Thatsachen und Lehren, auf