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Dibre Emeth · 1894-01-01 · 2 (1894) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
50 (1894)
Issue
2 (1894)
Date
1894-01-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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*5 sie nicht mir, ohne mir zu fluchen, sondern mit bejammernder Liebe von mir schied und, wie ich überzeugt bin, auch jetzt mit einem Mutterherzen an mich denkt." Nach beinahe dreijährigen heißen 'Kämpfen und schmerzlichen Erfahrungen, aber auch nach vielen merkwürdigen Proben von der Durchhilfe des HErrn wurde G. in die Kirche j)esu Ehristi ausgenommen. Er kam auch nach seiner Taufe in manche äußere Bedrängnis, da er kein Vermögen mehr besaß, doch sorgte der k)Err stets für ihn durch christliche Freunde. Au Joy. 9, 24 f. Ein Arzt unterredete sich einmal mit dem durch eine vielseitige Bildung ausgezeichneten englischen Prediger Kavanagh über Fragen der Religion. „Ich begreife nicht, daß ein Mann wie Sie noch an solche alten Fabeln glauben kann," sagte er zu dem Geistlichen. Dieser antwortete: „Nehmen Sie einmal an, Sie hätten eine Arzenei kennen gelernt, welche eine bestimmte Krankheit regelmäßig heilt. Nehmen Sie weiter an, dies Heilmittel hätte nicht nur hundert von Ihren Patienten, sondern auch Sie selbst vom Tode gerettet, würden Sie zu einem solchen Mittel nicht vertrauen haben?" Der Arzt erklärte dies für selbstverständlich. Da fuhr der Prediger fort: „Ebenso ist es mit dem Lhristentmn. Mein Glaube ruht auf Erfahrung. Mögen andere von Fabeln reden: ich weiß, was ich an mir und tausend andern erlebt habe. Früher war mein Herz voll von Unruhe und Unfrieden. Ich wußte nicht, wozu ich in der Welt war. Ich hatte keine Antwort auf die wichtigsten Fragen. Da hat sich Gott über mich erbarmt und mich zum Glauben geführt. Seither bin ich ein anderer Mensch. Ich habe jetzt Frieden und Trost und alles, was ich bedarf." Diese Worte brachten den Arzt zum Nachdenken. Er wagte es nicht mehr, den Glauben und die Gläubigen zu verspotten. K ü d i s ch e G h r o n i 6. Die infolge antisemitischer Verdächtigungen vom preußischen Kultusminister angeordnete Prüfung der in jüdischen Schulen befindlichen Lehrbücher ergab, daß keine jener Anklagen begründet war. Der Schulchan Aruch wird in keiner preußischen Volksschule gebraucht. — Die 7. brandenburgische Provinzialsynode verhandelte am 2\. Oktober über die christlich-jüdischen Mischehen, deren binnen 46 Jahren, 4875—90, in Preußen 42444 (2404 von Juden und Christinnen. 244z von Christen und Jüdinnen) geschlossen wurden. Lin Antrag von Prof, plath wurde mit großer Mehrheit angenommen, nach welchem die Generalsynode gebeten werden soll, das Kirchenregiment um Maßnahmen gegen das Überhandnehmen solcher Ehen zu ersuchen. — Am 47. September beschloß der 2. norddeutsche Antisemitentag die Bildung einer „Antisemitischen Vereinigung für Norddeutschland." Auch wurde der Gedanke angeregt, antisemitische Frauenvereine zu gründen. — Der in Berlin neuerdings entstandene „Lentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" hielt am 27. Sept. eine Versammlung ab, bei der es zu lebhaften Auseinandersetzungen zwischen der entschiedenen und der talmudfreundlichen Reform kam. Line der einstimmig angenommenen Thesen lautet: „wir haben keine andere Moral als die unserer nichtjüdischen Mitbürger." — Bei der Generalversammlung des im November 4890 gestifteten „Vereins zur Abwehr des Antisemitismus", die am 24. Nov. in Berlin stattfand, wurde darüber Klage geführt, daß die Mitgliederzahl zurückgegangen sei und nur noch etwa 43000 betrage. 4892 wurden 9370, 4895 nahezu '/4 Million Flugblätter verbreitet. Den weitverbreiteten „Antisemiten-Katechismus" widerlegt der „Antisemiten-Spiegel" des Vereins. Das Organ des letzteren („Mitteilungen") zählt etwa 6000 Abonnenten. Es verlangt einen jährlichen Zuschuß von mehr als 40 000 Mk. Die Einnahmen sanken von 69 000 (4894) auf 34 000 (4892), zuletzt auf 45000 Mk. (4893). — Die 7. schlesische Provinzialsynode nahm am 2. Dez. mit großer Mehrheit den Antrag an, daß ein Christ nur vor „einem christlichen Richter vereidigt werden dürfe, und daß das Konsistorium auf eine Änderung des betreffenden Gesetzes hinwirken solle. Liner der Gegner meinte, daß die jüdischen Richter hierdurch zu Richtern zweiter Klasse gemacht würden. — Die Strafkammer in Posen ver-

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