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Dibre Emeth · 1894-01-01 · 2 (1894) · page 6

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Journal
Dibre Emeth
Volume
50 (1894)
Issue
2 (1894)
Date
1894-01-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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dieser sagte: „Wozu willst Du Volk, Glauben, Vermögen verlassen, um ein ganz armer und von den Christen verachteter Thrist zu werden?" Der Arzt nahm ihn jedoch in sein Haus aus, da er ihn bei seinen Aranken brauchen konnte. Nach einigen Monaten hörte Jakob, daß ein Prediger aus pultawa angekonrmen sei. Er machte die Bekanntschaft desselben und hoffte nun von ihm den Weg des Lebens zu erfahren. Als er aber nach dem Besuch bei jenem Prediger nach Hause kam, fand er seinen Herrn reisefertig. Jakob mußte mit aufs Land zu einem Aranken gehen nnd wurde dort auf eine Woche zurückgelassen. Als er wieder nach Arementfchug kam, war der Prediger abgereist. Sein Schmerz hierüber war so groß, daß er krank wurde. Nun erfuhr er auch, daß die Juden an seine Mutter und Brüder geschrieben hatten, und daß man diese alle Tage erwartete. Da er wußte, daß man ihn mit Gewalt nach Hause zurückbringen würde, überwand die Angst seine große Schwäche. Gr reiste am Morgen des Tages nach pultawa ab, an dessen Abend die Mutter in Arementschug eintraf. Am Ziel angekommen, besuchte er alsbald den ihm schon bekannten Prediger. Dieser überzeugte sich davon, daß der Jüngling keine Nebenabsichten hatte, und versprach ihm den nötigen Unterricht. Aaum hatte der letztere angefangen, da folgte die Mutter ihrem Lieblinge auch nach Pultawa, badete ihn mit ihren Thränen und überschüttete ihn mit Liebkosungen und Bitten. Dies war der erste, furchtbare Aampf mit einer Mutter, die er so zärtlich liebte, wie er von ihr nie etwas anderes als Liebe erfahren hatte. Nach einiger Zeit kam Frau G. zum zweitenmal nach pultawa. Jetzt dauerte der Sturm auf das Herz ihres Aindes drei Monate lang. Sie versuchte alles, um den nach ihrer Meinung zeitlich und ewig verlornen Sohn zu retten. „Es ist unmöglich," schrieb Jakob später über diese Zeit, „sich einen deutlichen Begriff von meinem zerrissenen Kerzen zu machen. Was wäre aus mir geworden, hätte mich nicht der Unterricht des Predigers belehrt? Gott, unser £)(£u', allein konnte mich erhalten und trösten durch die Sprüche: „Wer nicht sein Areuz auf sich nimmt und folget mir nach, der ist mein nicht wert," ferner: „Wer nicht absagt allem, das er hat, kann nicht mein Jünger sein," und: „Wer verlässet Vater oder Mutter um meinetwillen, der wird's hundertfältig nehmen und das ewige Leben erwerben." An Thristum und Seine Worte glaubte ich fest. Die Nichtigkeit des jüdischen Glaubens war mir aufgeschlossen; was sollte ich unter den Juden? Hätte ich im Glauben geschwankt, so wäre ich unausbleiblich verloren gewesen; denn auch die Mutterliebe konnte mir das Heil in Thristo nicht ersetzen, und meine Brüder konnten es mit ihren Reichtümern nicht erkaufen. Da meine Mutter sich endlich überzeugte, daß ich in diesem einzigen Punkte nicht der bisherige gehorsame Sohn sein wollte, so entschloß sie sich, wiewohl mit schwerem Kerzen, Gewalt zu brauchen, und verabredete sich mit zwei Juden, mich zu fangen und abzuführen. Doch dieser Plan mißlang glücklicherweise. Nun endlich, da alle Hoffnung aus war, reiste die Mutter in Thränen ab. Mein einziger Trost inbetreff ihrer ist, daß ich nie die kindliche Ehrfurcht gegen sie aus den Augen gesetzt habe, weshalb

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