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Dibre Emeth · 1894-01-01 · 2 (1894) · page 5

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Journal
Dibre Emeth
Volume
50 (1894)
Issue
2 (1894)
Date
1894-01-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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bliebe. Diese Versuchung war für ihn zu groß. Er kämpfte mehrere Tage mit sich selbst, ohne seinen christlichen Freunden ein Wort zu sagen. Zweimal faßte er den Vorsatz, nach Polen zu gehen, wurde aber durch eine innere Stimme zurückgehalten. Das dritte Mal ging er wirklich eine Meile weit bis zur Grenze, wurde dann aber wieder zurückgebracht, da er keinen Paß hatte. Dieser Umstand überzeugte ihn von seinem Irrtum. Gr sagte sich: „Ist es nicht zu deutlich, daß der gnädige HErr dich zu sich ziehen will? Willst du dem allmächtigen Gott entrinnen?" Obgleich es auch jetzt seiner freien Wahl überlassen wurde, ob er sich länger unterrichten lassen oder einen Paß nehmen und nach Polen gehen wolle, so erneuerte er doch seinen Entschluß, Lhrist zu werden, und weinte bitterlich, daß er hatte entlaufen wollen. Seine Mutter versuchte noch weiter, seinen Sinn zu ändern, aber er blieb unbeweglich. So wurde er etliche Wochen später auf sein erneutes Flehen hin öffentlich in den Schoß der christlichen Rirche ausgenommen. Unser drittes Beispiel ist Jakob G. aus Volhynien in Rußland. Derselbe verlor seinen Vater, einen wohlhabenden jüdischen Raufmann, als er erst 7 Monate alt war. Der Stiefvater behandelte ihn und feine beiden Geschwister sehr hart, weswegen ein Oheim alle drei Rinder zu sich nahm. Die Mutter ließ sich später scheiden, woraus die drei Söhne zu ihr zurückkehrten und unter ihrem Namen den Handel gemeinschaftlich mit vielem Glück fortsetzten. Jakob, der jüngste Bruder, der unterdessen $ Jahre alt geworden war, erhielt den dritten Teil des Gewinnes, den ihm die Brüder am Schluffe des Jahres berechneten. Allein sie gaben ihm kein Geld in die Hände, weil sie ihn schon von früher her wegen seiner Vorliebe für die Thristen mit Mißtrauen betrachteten. Sie pflegten zu sagen: „Dich muß man hüten. Du hast die Thristen gar zu lieb!" Das Mißtrauen der Brüder gegen ihn erregte immer mehr feine Neugierde, zu erfahren, worin denn eigentlich das Thristentum bestehe. Eine unwiderstehliche Sehnsucht, sich näher mit demselben bekannt zu machen, veranlaßte ihn, heimlich Unterricht im Lesen des Deutschen zu nehmen. Er versuchte sogar, ins Ausland zu entkommen, um dort Belehrung zu suchen, wurde aber, da er keinen Paß hatte, an der Grenze zurückgewiesen, und mußte seiner Mutter und seinen Brüdern die Freude machen, zu ihnen zurückzukehren. Doch entkam er ihnen zum zweitenmal und reiste nach Arementschug, wo er sich zunächst bei einem Juden aufhielt, der ihm ganz unbekannt war. Bei diesem fand er ein wertv.olles deutsches Buch: einen Teil eines sehr alten Rommunion- und Gesangbuches. Die schönen Liederverse und die frommen Gedanken, die sie enthielten, gefielen ihm sehr, doch wunderte er sich, daß fast alle diese Gedanken Thristum und nicht den Gott seiner Väter angingen. Das lange hebräische Gebet, welches er alle Morgen beten mußte, ohne es zu verstehen, unterschied sich gar sehr von diesen herzlichen Gebeten und Liedern. Es wurde ihm ein Bedürfnis, jenes mit diesen zu vertauschen. Er wandte sich nun mit seinen Hoffnungen und Wünschen an einen christlichen Arzt und bat ihn um Rat. Doch

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