Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 50 (1894)
- Issue
- 2 (1894)
- Date
- 1894-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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\2 getötet, da mehrere Loldaten ihre schwere» Stiefel aus ihn warfen, während er betend auf den Knieen lag. Aber seine Geduld überwand allmählich die Feindschaft. Er wurde ein Segen für seine Umgebung und gewann sie für Gott. Nach der Kriegserklärung von \870 zog das Regiment ins Feld. Bei Weißenburg erhielt der junge Kriegsmann die Feuertaufe. Als sein Hauptmann gefallen war, rief er seinen Kameraden zu: „Vorwärts, Brüder, für unser Vaterland!" Der Feind mußte dem furchtbaren Ansturm weichen, und der Sieg war auf seiten der Deutschen. Aber von der Kompagnie, der unser Freund angehörte, blieb keiner am Leben. Der Erzähler schloß mit den Worten: „Gr ist jetzt seit 20 Jahren tot, aber ich werde nie vergessen, was ich von diesem ernsten, frommen Zudenchristen gelernt habe. Denn ich war ein Soldat in ebendemselben, Regiment." Aus ehrlichen Beweggründen vollzog den Übertritt auch der Jüngling, von dem wir jetzt berichten wollen. Bei einem Missionsfreunde in einer preußischen Grenzstadt erschien eines Tages ein junger polnischer Jude und sagte ihm, er wünsche schon seit mehreren Jahren Lhrist zu werden. Da er aber ohne Paß über die Grenze gekommen war, wurde er mit auf den Rücken gebundenen fänden zurücktransportiert. Zu Hause hatte er die ganze Strenge der Juden zu erfahren, da sie von seinem Vorhaben Kenntnis erhalten hatten. Gr mußte bittere Vorwürfe hören und wurde auf 6 Wochen in einen finstern Kerker gesperrt. Allein im folgenden Jahr kam er wieder zu demselben Thristen und erklärte, er werde entweder sterben oder ein Thrist werden. Es gelang, für ihn die Erlaubnis zu einem längeren Aufenthalt in der preußischen Stadt auszuwirken. Zetzt wurde er zu einem Meister in die Lehre gethan, bei dem er nicht nur einen Beruf zu erlernen, sondern auch die geringsten Hausgeschäfte zu besorgen hatte. Er ließ sich alles gefallen, und vergeblich suchten seine Eltern ihn zur Rückkehr zu bewegen. Später wurde er von inneren Anfechtungen geplagt, und diese nahmen so sehr zu, daß er bisweilen zu anhaltendem Fasten seine Zuflucht nahm. Endlich bat er, in das Haus des erwähnten Missionsfreundes ausgenommen zu werden, weil er dies für das einzige Mittel hielt, ihn vor Verzweiflung zu bewahren. Unter der Bedingung, daß er in Ermanglung eines anderen Platzes im Stalle schlafe, wurde ihm die Aufnahme bewilligt. So verbrachte er einen ganzen Winter. Während dieser Zeit erhielt er auch christlichen Unterricht. Seine Mutter, welche ihn öfters gebeten hatte, zum Judentum zurückzukehren, fiel einmal vor ihm auf die Knies und flehte ihn dringend, nachzugeben. Mit Thränen in den Augen schlug er diese Bitte ab, worauf sie ihn verfluchte und ihm erklärte, seine Seele werde nach seinen: Tode in einen Hund fahren. Aber noch stand ihm die schwerste Versuchung bevor. Auf Anstiften seiner Eltern boten ihm die Juden jener Stadt eine vermögliche Braut an. Außerdem versprach jeder, zwei Rubel beizusteuern. Mit diesem Gelds und mit seiner künftigen Frau sollte er uach Warschau gehen, um dort seinen Beruf auszuüben. Man hielt ihn: seine gegenwärtige Armut und sein künftiges Elend vor, wenn er bei seinem Entschluß