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Dibre Emeth · 1894-01-01 · 2 (1894) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
50 (1894)
Issue
2 (1894)
Date
1894-01-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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unter andern ein Mann, der ruhig sein Pfeifchen rauchte und nicht viel Mitleid mit dem begrabenen Arbeiter zu haben schien. Aber siehe, es drängt sich eine Frau durch die Menge hindurch auf ihn zu und flüstert ihm ein paar Worte ins Ohrl Da wirft der Mann im Nu seine Jacke ab und springt in das Erdloch hinein, um mit Schippe und t)acke eifriger zu arbeiten, als alle anderen. Was hat ihn so umgestimmt? Was hat ihm die Frau ins Ohr geflüstert? „Es ist Dein Bruder, der da unten liegt!" Diese Worte haben genügt, den müßigen Zuschauer in einen sich aufopfernden Helfer umzuwandeln. Viele sogenannte Christen können jahrelang an der Not anderer vorübergehen. Auch von dem unter den Juden herrschenden geistlichen Notstand meinen viele, er gehe sie nichts an. „Was diese fremden Menschen glauben, wie sie leben und sterben, das ist ihre Sache," so sprechen die Gleichgültigen. O, daß sie doch einmal der Gedanke packen und überwältigen möge: „Diese Menschen sind uns nicht fremd, sondern Fleisch von unserm Fleisch, Bein von unserm Bein!" Wie der Heide, so ist auch der Jude unser Bruder, dem wir beispringen, an dem wir Mission treiben müssen. Wehe dem, der da kalt bleibt und hartherzig sprechen kann: „Soll ich meines Bruders Hüter fein?"! Ein rechter Christ hat keine Ruhe, bis auch er etwas für seine Brüder gethan hat. Er kann und will ohne sie nicht selig werden. (Nach dem Lalwer Nissionsblatt.) Ehrliche Beweggründe werden den zum Christentum übertretenden Israeliten sehr oft abgesprochen. Dies geschah auch vor wenigen Jahren in einer Gesellschaft, an welcher ein ehemaliger bayrischer Soldat teilnahm. Der letztere, ein Mitkämpfer im letzten deutsch-französischen Ariege, bestritt die Behauptung, daß ein Jude immer nur aus äußerem Anlaß Christ werde. Zu ihrer Widerlegung erzählte er die folgende Geschichte. Im Jahre {868 wurde ein junger Israelit von einem lutherischen Geistlichen in München getauft. Seine Eltern waren hierüber sehr ungehalten und gaben ihrem Sohn dies in jeder Weise zu erkennen. Er entschloß sich daher, nach England zu gehen und sich dort niederzulassen. Aber infolge einer Anzeige, welche der Vater bei der Militärbehörde eingereicht hatte, mußte der Jüngling bald nach Deutschland zurückkehren und sich zur Aonskription stellen. Ein einziges Wort hätte ihm Befreiung vom Dienst verschafft, aber er sprach es nicht aus. „Wenn Du diese Albernheiten aufgiebst und vernünftig wirst," sagte sein Vater, „werde ich einen Stellvertreter für Dich bezahlen." Der Sohn antwortete: „Meinst Du, daß ich meinen Glauben aufgeben kann? Das werde ich nie thun, dazu liebe ich meinen Heiland zu sehr. Ich bete darum, daß Du, Vater, ihn auch lieben lernst." Der Vater sorgte nun dafür, daß der standhafte Bekenner in ein Regiment kam, in welchem er von der Roheit seiner Aameraden viel zu leiden hatte. Einmal wurde er nachts beinahe

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