Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 50 (1894)
- Issue
- 1 (1894)
- Date
- 1894-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Leiden, seiner Auferstehung und Himmelfahrt hat er den für den Fimmel geschaffenen, aber tief gefallenen Erdenbewohnern den Fimmel wieder erschlossen. Wahrlich, er verdient es, daß die Christenheit ihn zu allen Zeiten und an allen Orten im Gedächtnis behält! Er verdient es, daß wir ihn nicht nur bewundern und preisen, sondern uns ihm in demütigem Gehorsam unterordnen. Die Airche betrachtet sich vor allen Dingen als die Dienerin dessen, der sich zum Diener der Beschneidung und der Vorhaut gemacht hat. Sie würde ihr Wesen verleugnen und verlieren, wenn sie aufhörte, des Heilands Magd zu sein. Nur als seine Dienerin darf und kann und will sie der Menschheit dienen. Die Tochter Israels, welche im Hause des syrischen Feldhauptmanns Naeman diente, lernte hier bald den schwarzen Schatten kennen, welcher allen Glanz und Ruhm disses Dauses verdunkelte. Der vornehme Besitzer, der sieggekrönte Held, der Günstling des Aönigs, der Liebling des ganzen Volkes, er litt an jener entsetzlichen Arankheit, die von den alten Griechen „der erstgeborene Lohn des Todes" genannt wurde. Während nun aber die arme Sklavin den kranken Hausherrn vor sich sah, erwachte in ihr das Mitgefühl, und diese Empfindung verlieh dem Prophetenbilde, welches sie im Kerzen trug, eine neue Bedeutung, seinen Farben neue Araft und Frische. Unwillkürlich zog die Israelitin eine Verbindungslinie zwischen Naumann und Elisa. Von dem Licht, welches den Gottesmann umgab, fiel ein Strahl auf den Unglücklichen, den kein syrischer Arzt zu heilen vermochte. Hat Elisa in göttlicher Araft schon so vielen geholfen: er wäre sicher imstande und auch bereit, in diesem Falle zu helfen, obwohl Naeman zu Israels Feinden zählt. So denkt die Gefangene, und bald giebt sie ihrer Überzeugung im Gespräch mit ihrer Herrin Ausdruck: „Ach, daß mein Herr wäre bei dem Propheten zu Samarial Der würde ihn von seinem Aussatz losmachen." Dort, bei dem Gottesmann, ist die köstliche Arzenei zu finden, durch deren Gebrauch der Aranke zur Gesundheit, sein halberstorbener Leib zu neuem Leben gelangen kann. Dort giebt es ein Mittel, welches Naömans betrübte Familie, ja, sein ganzes mitleidendes Volk von dem schweren Druck, unter dem alle seufzen, befreien kann. Liehe da, die Thätigkeit, welche die Airche als die treueste Dienerin der Menschheit ausübt! Auch sie ist von einem furchtbaren Elend, einem solchen, welches sogar noch den Aussatz übertrifft, umgeben: von der Lünde, dem geistlichen Tode. Tausend und abertausend Unglückliche stehen zu ihrer Rechten und ihrer Linken. In Bettlerlumpen und in Prachtgewändern treten die Jammergestalten an sie heran, hilfsbedürftig sind alle, wenn auch nicht alle der Hilfe begehren. Wer vermag dies Leiden zu bezwingen, diese Leidenden zu heilen? Menschenrat und Menschenhilfe sind hier ohnmächtig. Loll geholfen werden, so muß ein göttlicher Arzt eingreifen. Und die Airche kennt gottlob einen solchen. Ihr Meister hat ja gesagt: „Die Gesunden bedürfen des Arztes nicht, sondern die Aranken. Ich bin gekommen, die Lünder zur Buße zu rufen und nicht die Gerechten." Er hat allen Mühseligen und Beladenen, die zu ihm kommen, Er-