Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 50 (1894)
- Issue
- 1 (1894)
- Date
- 1894-01-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2554541-2555074-2555075--09322-2565467- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Was von dein einzelnen wahren (Christen gilt, das trifft auch bei der Gesamtheit, der Kirche, zu. Sie ist eine Dienerin der Menschheit. Verfolgen wir einmal diesen Gedanken, indem wir ihn in das Licht der Erzählung 2. Könige 5, \—^ rücken! Denn das Mägdlein, welches im Hause Naämans dient, ist, ohne es zu wissen und zu wollen, eine Prophetin, welche von der, der Menschheit dienenden Kirche weissagt. Beide bewahren in treuem Gedächtnis das Bild eines großen Gottesmannes. Beide zeugen in herzlicher Teilnahine an: menschlicheil Leid von den Wundern seiner Kraft und Hülfe. Beide schaueil mit hoher Freude immer neue Siege seines starken Armes. Vor elwa 28 Jahrhunderten trug sich unsere Geschichte zu. In jener Zeit führten die Syrer häufig Krieg mit den Bewohnern des nördlichen Palästinas. Auf einem ihrer Streifzüge beinächtigten sie sich einer jungen Israelitill und schleppten dieselbe nach Syrien. Voll Vaterland und Vaterhaus getrennt, sollte die zarte Menschenpflanze in einem anderil Bodeil, unter fremden Leuten aufs ileue Wurzeln schlagen. Gottes Güte erleichterte zwar das harte Los, das sie getroffen hatte. In dein neuen Hause, in welchem sie die Dieilste einer Magd verrichten Nlußte, wurde sie offenbar freundlich behandelt. Aber doch mag sie oft genug vonl Heimweh erfaßt worden sein. Oft nlag sie traurig gell Westen geblickt haben. Dort, inl Sonnenuntergang, lag ihr verlorenes Kindheitsparadies. Dort wohnte ihr Volk. Dort erhob sich inmitten des fruchtbaren Landes die stolze Reichshauptstadt Samaria, in welcher der König des Zehnstämmereiches herrschte. Wenn aber die Gefangene an Samaria dachte, dann erinnerte sie sich auch daran, daß in derselbell Stadt der Prophet Elisa seinen Wohnsitz aufgeschlagen hatte. Was war doch das für ein herrlicher Manll! Wie stand er in einem so eilgen Zusamnlenhange mit dem einigeil, wahren Gottl Wie eindringlich wußte er von diesenl zu reden! Wie konnte er im Namen des Allmächtigen so große Wunder vollbringen! Mit unauslöschlichen Zügen hatte sich Elisas Bild der Seele der jungen Israelitin eingeprägt. Darum waren auch die vielen neuen Eindrücke, die sie jetzt empfing, die Leiden und die Freuden, die ihr in Syrien widerfuhren, nicht imstande, dies Bild aus ihrem Gedächtnis zu verbannen. Ebenso bewahrt die Kirche auf allen Wegen, die Gott sie führt, das Bild eines großeil Gottesmannes in treuem Gedächtnis. Ob sie es in der inneril Mission zu thun hat mit den unter ihrem Schutz und Segen herangewachsenen, aber daml von ihr abgefallenen eigellen Kindern, den Heiden, die inmittell der Lhristenheit leben; ob sie sich in der äußern Missioil an das Volk der Juden oder die übrigen nichtchristlichen Völker der Erde wendet: immer und überall begleitet sie die Erinnerung an Iesunl Ehristuln, ihrell Stifter uild Gebieter, an den Gottesmann, der Gottes eingeborener Sohn war und deshalb in noch viel höherem Maße als Elisa ein Mittler zwischen Gott und Menschen sein konnte. Jesus Ehristus hat es verstanden, der gallzen Menschheit den verlorellen Weg zuln Throne ihres Schöpfers wieder zu eröffnen. Mit seinen Worten und Werkelt, feinem Leben und