Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 49 (1893)
- Issue
- 12 (1893)
- Date
- 1893-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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_93_ Ich doch Deiner nicht vergessen. Siehe, in die Hände habe ich Dich gezeichnet!" Selbst die Mutterliebe hat schon klägliche Niederlagen erlitten. Von unnatürlichen Müttern berichten die Jahrbücher der Weltgeschichte und die Tagesblätter der Gegenwart. Beim weiblichen und beim männlichen Geschlecht überwuchert nur zu oft die Sünde die spärlichen Spuren einer untergegangenen Größe. Nur Eine Liebe ist wahrhaft stichhaltig: die Liebe Gottes. An jener Stelle des Buches Iesaias sichert Gott dem Volke Israel seine unwandelbare Fürsorge zu. Auf die Zerstreuung soll Sammlung, auf die Bedrückung Beseligung folgen. Und als die Zeit erfüllt war, da erschien der Liebesbote des Allerhöchsten, der alle Weissagungen erfüllt: Jesus, der göttliche Messias. Gr redete nicht nur von Gottes ewiger Liebe, sondern er ließ auch die heilige Flut der Liebe aus seines Vaters Herzen in die Herzen seiner Reichsgenossen sich ergießen. Ist der Regenbogen der treue Zeuge in den Wolken, der uns die Fortdauer der Naturordnungen verbürgt, so giebt uns dieser Mittler zwischen Himmel und Erde, der Gottmensch, die Versicherung, daß wir trotz aller Gesetzesübertretungen bei Gott Erbarmen finden können, und zugleich die Araft, das göttliche Gnadengeschenk anzunehmen. Die Empfindung der Gottesliebe aber, die Lhristi Geist der Seele mitteilt, weckt uns zu neuer, wahrer Liebe und ist das Stahlbad, in welchem wir von der Arankheit der Selbstsucht genesen. Paulus, der Gal. 5 die Liebe unter den Früchten des Geistes obenan stellt, widmet ihr s. Aor. sz einen Lobgesang. Er besingt ihren Wert, ihre Eigenschaften und ihre Dauer. Das Aapitel beginnt: „Wenn ich mit Menschen- und mit Engelzungen redete und hätte der Liebe nicht, so wäre ich ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle." Es schließt: „Nun aber bleibet Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei. Aber die Liebe ist die größeste unter ihnen." Gott ist die vollkommene Liebe. In dem Maß, in welchem der Mensch Liebe übt, kommt er Gott nahe. Weil seine Liebe ihn Gott ähnlich macht, übertrifft sie jede andere Tugend. Das schönste Beispiel von der Offenbarung der Geistesgabe der Liebe im Stande der Gnade ist die Thristenheit des apostolischen Zeitalters. Die Aatholiken erzählen von ihrem Ordensstifter Philipp Neri, er habe eine so brennende Liebe zum Heiland gehabt, daß ihre Flammen aus seinem Herzen herausgeschlagen seien. In uneigentlichem Sinne ist dies bei allen wahren Thristen der Fall. Vor bald 60 Jahren bezog ein jüdischer Student, Taspari mit Namen, die Universität Leipzig. Daß ihm ein strenges Pflichtgefühl eigen war, gab sich in einer Inschrift kund, die er in sein pult schnitt: „Du kannst, denn Du sollst". Aber bei ernstem Streben kam er allmählich zu der Einsicht, daß er Gottes Gebote, namentlich das Gebot der Liebe, nicht zu erfüllen vermochte. Einige Jahre später fand er Hilfe für seine innere Not: Jesus erschien ihm im Neuen Testament und nahm ihn durch die Taufe in sein Reich auf. Nun wurde das ganze Leben dieses Nachkommen Abrahams bis zu seinem erfolgten Tode ein psalm zur Verherrlichung der Liebe. Als Lehrer