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Dibre Emeth · 1893-01-01 · 12 (1893) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
49 (1893)
Issue
12 (1893)
Date
1893-01-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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. 92 er in öffentlichen Anlagen lustwandelte, stürzte sich sein vierbeiniger Begleiter auf einen jungen Sperling. In demselben Augenblick flog das alte Tier in furchtbarer Erregung und mit gesträubtem Gefieder dem Hunde entgegen und schreckte ihn von seiner Beute zurück. Wieviel herrlichere Triumphe hat die menschliche Mutterliebe gefeiertI „Ich kann nicht ansehen des Anaben Sterben", seufzt Hagar in der einsamen Wüste bei Berseba, und ihre Augen werden zu Thränenbächen. Da sieht der HErr darein und zeigt der Mutter Ismaels einen Wasserbrunnen, daß sie ihren Sohn tränken und ins Leben zurückrufen kann. Aber Gott thut noch mehr: er übergiebt der von Abraham Verstoßenen den starken Stab einer herrlichen Verheißung. Auch Ismael soll eines großen Volkes Vater werden. Und noch einmal besteigen wir im Geist einen fjügel im jüdischen Lande. Er liegt näher bei Jerusalem als die Anhöhe von Gibea, ja, er erhebt sich unmittelbar vor einem der Thors der heil. Stadt. Golgatha nennt man ihn. Auf hohen Areuzen hängen 3 Gerichtete. Zwei sind Übelthäter, welche empfangen, was ihre Thaten wert sind. Der Dritte aber hat nie ein Unrecht begangen, es ist nie ein Betrug in seinem Munde, nie eine böse Lust in seinem Kerzen gewesen. Am Areuze dieses unschuldigen Dulders steht feine Mutter. Mehr als 3 Jahrzehnte sind vergangen, seitdem ihr geweissagt wurde, daß dieser ihr erster Sohn ein Zeichen werden solle, dem man widersprechen werde. Jetzt erfüllt sich dies Wort und auch das andere: „Es wird ein Schwert durch Deine Seele dringen." In namenlosem Schmerze sieht Maria Iesum sterben. Viele verdammen ihr Rind, selbst Jünger fliehen: sie hält stand. Und das Vertrauen der Mutter wird gekrönt. Am dritten Tage entwindet sich ihr Sohn den Banden des Todes und offenbart sich als den Fürsten des Lebens. Verleugnet nicht die Muttergefühle, ihr Frauen, die Gott mit Rindern gesegnet hatl Gebt sie kund gegenüber den Heranwachsenden und den herangewachsenen Söhnen und Töchtern I Allerorten werde der heilige Naturtrieb, als dessen reinste und edelste Erscheinung wir die Mutterliebe preisen, gehegt und gepflegt. Wie der barmherzige Samariter, dessen Geschichte eine j)erle unter den neutestamentlichen Erzählungen ist, so lasse jeder das natürliche Mitleid mit dem notleidenden Nächsten walten ohne Rücksicht auf Gefahren, denen er sich etwa dabei aussetzt, oder auf Standes- und Religionsunterschiede, die er bei dem andern bemerkt. Was bewahrt aber das Feuer der Liebe vor dem Erlöschen? Was facht das erloschene wieder an? Reicht der bloße Entschluß aus, sich durch andere in der Liebesübung nicht beschämen zu lassen? Nein, der Naturtrieb der Liebe, der noch im Stande der Sünde vorhanden ist, muß ergänzt, gestärkt, verklärt werden durch die Geistesgabe der Liebe, die sich im Stande der Gnade offenbart. Rizpa, die Tochter Ajas, ruft uns das Gotteswort ins Gedächtnis: „Rann auch ein Weib ihres Aindleins vergessen, daß sie sich nicht erbarme über den Sohn ihres Leibes?" Aber wir wissen, wie jener Ausspruch weiter lautet: „And ob sie desselbigen vergäße, so will

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