Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 49 (1893)
- Issue
- 12 (1893)
- Date
- 1893-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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„Das Heiligtum wird verwüstet". Als er weiter ging, fand er Leute, welche pflügten und säeten, und sagte zu ihnen: „Der heilige ist über seine Welt erzürnt und will sein Haus zerstören und seine Rinder unter die Heiden wegführen, und Ihr sorget für dies Leben?" Da kam eine Stimme, die sprach: „Laß siel Denn längst ist Israel ein Heiland geboren." Er fragte: „lVo ist er?" Die Stimme antwortete: „Zu Bethlehem Juda". Rhßa, die Tochter Ajas. Ein trauriges, ja, schauriges Gemälde entrollt 2. Sam. 2\. Auf der höhe von Gibea Sauls, dem jetzigen Tuleil-el-Ful, stehen 7 Bäume, und an denselben hängen die Leichen von ebenso vielen Gerichteten. Es sind Nachkommen Sauls, die für eine Frevelthat dieses ersten israelitischen Rönigs büßen müssen. Durch ihren Tod wird Israel von einer auf dem Volke lastenden Blutschuld befreit. Zwischen den Leichnamen aber bewegt sich eine Frauengestalt: Rizpa, die Mutter von zweien dieser Gehängten. Als sie dis Runde von der Hinrichtung ihrer beiden Söhne erhalten hatte, da war sie alsbald an die Richtstätte geeilt, um. ihnen hier den letzten Liebesdienst zu erweisen, um die Totenwache zu übernehmen und so eine Leichenschändung zu verhüten. Auf den Felsen, welcher den Ruheplatz der 7 Toten bildete, hatte sie ein grobes Tuch ausgebreitet: es sollte ihr als Lager dienen. Aber die Vögel des Himmels, die sich bei Tage auf den Leichnamen niederlassen wollen, und die Tiere des Feldes, die sich in der Nacht heranschleichen, vergönnen ihr nur wenig Ruhe. Vom Anfang der Gerstenernte, d. h. von Mitte April an, bis zum Eintritt der Regenzeit, also bis zum November, schützt die treue Mutterliebe die Überreste ihrer Rinder und der andern Getöteten. Und diese Liebe siegt: nicht nur über die Tiere, mit denen sie Tag für Tag kämpft, sondern auch über Davids Herz. Der Rönig läßt die Gebeine der Sieben mit denjenigen von Saul und Jonathan im Grabe von Sauls Vater zu Zela im Lande Benjamin beisetzen. Wie den übrigen, so gewährt er den Söhnen Rizpas ein ehrliches Begräbnis. £> Mutterliebe, welch' eine Großmacht bist du auch noch unter dem durch die Sünde verderbten und geschwächten Geschlechts Adams! Welcher Opfer bist du fähig! Wie überdenkst du sorglich die Pflichten, welche du gegen dein Rind zu erfüllen hast! Wie überwachst du treulich seine Freuden und Leiden, seine Freundschaften und Feindschaften, sein Leben und Sterben! Wie überwindest du mutig alle Hindernisse, welche sich deiner Bethätigung entgegenstellen! Schon bei den Tieren tritt uns die Gewalt des Naturtriebes der Mutterliebe oft in rührender Weife entgegen. In der heil. Schrift wird in dieser Beziehung mehrfach auf die Bärin hingewiesen, die von Menschen ihrer Jungen beraubt ist. Bei den Ausgrabungen in Pompeji fand man das Skelett einer Taube, welche durch ihre ausgebreiteten Flügel ihre Brut vor dem Aschenregen zu schützen gesucht hatte. Ein ähnliches Beispiel erzählt ein russischer Dichter. Während