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Dibre Emeth · 1893-01-01 · 11 (1893) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
49 (1893)
Issue
11 (1893)
Date
1893-01-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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_ 85 Die predigt, zu welcher dieser Brief einlud, brachte die Lösung der in demselben angeregten Frage. Als freiwillige Helfer beteiligten sich an der Verkündigung des Evangeliums namentlich auch manche jüngere profelyten, welche wie so viele ältere die Londoner Gesellschaft als ihre „Alma inater" ansehen. Einer hatte die Freude, es zu erleben, daß sein Briefwechsel mit einem Bruder diesen bewog, ebenfalls der Kirche Ehristi beizutreten. In Liverpool legte eine russische Stundistin vor Juden ein schönes Bekenntnis ihres christlichen Glaubens ab. Die Zuhörer wurden sichtlich angefaßt und bewunderten die Gewalt, die Ehristus auf das Herz dieser einfachen Frau ausübte. Ohne Zweifel sind solche schlichte Laienzeugnisse oft wirksamer als ein mit Aufbietung großer theologischer Gelehrsamkeit geführtes Religionsgespräch. Möge es den Missionaren der L. I.-M. nie an „lieben Mitdienern" (Kol. (, 7), den Berufsarbeitern nie an Helfern fehlen, welche sich innerlich zur Heilsverkündigung vor Israeliten berufen fühlen! Paul Eduard GoltheU war der älteste Lohn eines jüdischen Kaufmanns zu Fraustadt in Posen. Er wurde hier am 5. April (8(8 geboren. Seine Erziehung erhielt er im Hause seines Großvaters mütterlicherseits, eines Talmudgelehrten. Als er (5 Jahre alt war, schickte ihn sein Vater nach Berlin, damit er sich zum Kaufmann ausbildete. Der Knabe hatte jedoch keinen Sinn für den Handel und wünschte sich vielmehr der Wissenschaft zu widmen. Es wurde ihm daher schwer, sich dem Befehl des Vaters zu unterwerfen. In Berlin trat er der christlichen Kirche allmählich näher. Schon in Fraustadt hatte er oft an der Thür des von Valerius Herberger erbauten Gotteshauses „Zum Kripplein Ehristi" gestanden. Aber die Furcht, sich einer Abgötterei schuldig zu machen, hatte ihn immer vom Eintritt und von der Teilnahme an einem Gottesdienst zurückgehalten. In Berlin konnte er dem Ruf der Glocken, dem Orgelklang und Gemeindegesang nicht widerstehen. Oft hörte er christliche predigten und fühlte sich von ihrem Inhalt angezogen. Tiefer beeinflußt wurde er aber erst durch die Reden des Missionars Pauli, welcher damals das Berliner Missionsamt der L. I.-M. verwaltete. Er schloß mit demselben Bekanntschaft und wurde bald ein Schüler des gelehrten und frommen Mannes. Am Pfingstfest des Jahres (842 empfing er in der Klosterkirche die heilige Taufe. König Friedrich Wilhelm IV., der eine Patenstelle übernommen hatte, ließ sich bei der, Feier durch einen Adjutanten vertreten. Als Gottheils Vater den Übertritt seines Sohnes erfuhr, brach er jede Verbindung mit demselben ab. Er betrachtete ihn als einen Verstorbenen und unterzog sich den für einen Todesfall bestehenden jüdischen Bräuchen. Aber Pauli sorgte treulich für seinen geistlichen Sohn. Er sandte ihn nach London, wo der junge Ehrist neue Freunde fand. Nach einem halben Jahr ging Gottheil nach Edinburg. Dank der Unterstützung, die ihm hier zuteil wurde, konnte er in

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