Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 49 (1893)
- Issue
- 10 (1893)
- Date
- 1893-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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86 und zur Gottesfurcht 51t bewegen. Die Inschrift ist noch vorhanden, aber unbegreiflicherweise in ihrem vollständigen Wortlaut immer noch wenig bekannt. Gin Geschichtsschreiber jenes Fürsten konnte es zwar nicht unterlassen, ihrer zu gedenken, aber er wußte seinen Lesern nur die eine Hälfte des fürstlichen Bekenntnisses anzugeben. In einen« Buch, welches bei der Ausbildung der Volksschullehrer gebraucht wurde, fand sich die andere Hälfte des Satzes, aber auch diese erst, nachdem man zuvor einen von denr echten ganz verschiedenen Spruch angeführt hatte. Die soeben erzählte Geschichte hat sich nicht in einem weitentfernten Lande, sondern — in Preußen zugetragen. Aönig Friedrich Wilhelm IV. war es, welcher auf die Auppel der von ihm erbauten Schloßkapelle zu Berlin ein Zeugnis seines christlichen Glaubens setzen ließ. Wer nördlich und südlich von der „Schloßfreiheit" steht, liest folgende Worte: „Es ist in keinem andern Heil, ist auch kein anderer Name den Menschen gegeben, denn in dem Namen Jesu zu Ehren Gottes des Vaters, daß in dem Namen Jesu sich beugen sollen alle Aniee". Der weitere Wortlaut ist von unten und außen nicht zu erkennen. Aber jedenfalls bemerkt jeder bibelkundige Beschauer, daß dem in goldenen Buchstaben prangenden königlichen Bekenntnis 2 Verse des N. T. zu Grunde liegen: Ap. G. 4, \2 und Phil. 2, sO. Wie war es nun möglich, daß B. Rogge in seinen „Christlichen Charakterbildern" (5. s63) als Inhalt der Inschrift nur die Worte angab, welche den auf der ersten Bibclstelle ruhenden Teil des Bekenntnisses ausmachen? (Dabei ist selbst dieser Teil nicht genau angegeben.) Noch viel auffallender aber erscheint uns die Behandlung, welche die in Rede stehende Inschrift in einem amtlichen Werk, im preußischen Seminar-Lesebuch, gefunden hat. In den „Ergänzungen" zu demselben (2. 7s) wurde bis vor 2 Jahren Iofua 2^, s5 als Inschrift der Auppel der Schloßkapelle bezeichnet. Am s2. Novenrber s89s erließ der damalige Aultusminister, Graf v. Zedlitz, ein Ausschreiben an sämtliche Provinzial-Schulkollegien, in welchen« neben andern Fehlern auch dieser berichtigt, aber dann weiter behauptet wurde, die Inschrift sei „den« Briefe St. Pauli an die Philipper, Aap. 2, V. sO, entnommen." Von der ersten Hälfte des Bekenntnisses «vußte also der Minister nichts. Ein doppelter Wunsch soll diese Mitteilungen beschließen: s. Möge endlich einmal die Verstümmelung der Aönigsworte, die auf den« Berliner Schloß angebracht sind, aufhören! 2. Möge«« alle Bewohner von Stadt und Land, auch die israelitischen, die predigt Friedrich Wilhelnrs IV. von Jesu als der einzigen (Juelle des Heils für die Menschen gläubig a«lfnehn«en und dem Beispiel jenes edlen Fürsten folgend in den« Na,««en Jesu ihre Aniee beugen! Luther üvcr das Apostolikum. Dieses Bekenntnis haben wir nicht gemacht noch erdacht, die vorigen Väter auch nicht, sondern wie eine Biene den Honig aus inancherlei schönen, lustigen Bliimlein zusainmenzeucht, also ist dies Bymbolum aus der lieben Propheten und