Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 49 (1893)
- Issue
- 9 (1893)
- Date
- 1893-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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67 welche auf unsere Namen eingetragen sind, durchstreichel HErr, erbarme Dich unser und sei uns gnädig I Auch aus seiten der Israeliten können 2 Gründe, ein äußerer und ein innerer, zu einer solchen Feier, wie wir sie jetzt begehen, ausfordern. Der äußere ist die Überfüllung der Synagogen und der andern Räume, deren man sich an diesem Abend behufs gemeinsamer Gottesverehrung bedient, und die Nötigung, den Zutritt zu jenen Stätten durch eine Einlaßkarte zu erkaufen. Manche Israeliten scheuen sich vor den dichtgedrängten Versammlungen, andere vor der für ihre Verhältnisse nicht unbedeutenden Geldausgabe. Es ist dann gewissermaßen eine Thal der Verzweiflung, wenn solche Glieder des alten Bundes an einer nicht rein jüdischen Feier teilnehmen, wenn sie, statt einen Rabbiner zu hören, sich mit der Ansprache eines christlichen Predigers begnügen. Und doch sind alle Besucher, die an diesem Abend wenigstens irgendeine geistliche Anregung empfangen wollen, uns noch lieber und willkommener als diejenigen, welche sich nur durch Neugierde hierher führen lassen. Aber wir hoffen auch solche Teilnehmer an unserm Gottesdienst unter uns zu sehen, welche sich innerlich angetrieben gefühlt haben, gerade heute mit uns Lhristen eine Verbindung einzugehen. Allen denkenden und wahrhaft gottesfürchtigen Israeliten muß sich ja die Erkenntnis von der Unvollkommenheit des gewöhnlichen Iom-Aippur- Gottesdienstes aufdrängen. U)ie dieser Tag ursprünglich gefeiert wurde, lesen wir z. B. Hebräer 9. Ausführlichere Nachrichten kann man dem Z. Buch Moses und bezüglich der späteren Zeit dem talnmdischen Traktat Ioma entnehmen. Im Lauf der Jahrhunderte hat Israel die biblischen Grundzüge iinmer mehr verlassen. Als der Tempissldienst aufgehoben war, meinte man an die Stelle der blutigen Opfer, von deren Darbringung die Feier des Versöhnungstages unzertrennlich war, Almosen und das Verdienst der Väter setzen zu dürfen, oder man hielt Beten und Fasten allein schon für genügend. Indessen brach sich die Einsicht doch bald wieder Bahn, daß nur ein wirkliches Opfer zur Entfündigung verhelfen könne. Und so sind denn auch heute morgen wie alljährlich am Tage vor dem Iom- Uippur namentlich im östlichen Europa unzählige Hähne und Kennen als Sühne geschlachtet worden. Diese Tiere sollen die von: Gesetz vorgeschriebenen Opfer ersetzen. Luther sagteinmal: „Es mag unsere Vernunft klug sein in vergänglichen und weltlichen Dingen, aber man nehme sie nicht zu Rate in den Sachen, so die Seligkeit anlangen: dazu gehört Gottes Vernunft." Das wird jeder fromme Israelit bei einigem Nachdenken zugeben und ebendarum mit der jetzigen, nicht schriftmäßigen Begehung des Versöhnungstages von seiten seines Volkes nicht einverstanden sein können. Dazu koinmt noch, daß Israel heute abend durch sein eigenes Gebetbuch dazu angeleitet wird, sich nach dem Heilmittel umzusehen, welches Gott selbst für die Zeit angeordnet hat, in welcher der Tempeldienst wegfallen sollte. Ier. Zf verheißt er von der Stiftung des neuen Bundes Vergebung der Sünden, 5ach. fZ einen freien, offenen Born wider die Sünde und Unreinigkeit. Nach