Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 49 (1893)
- Issue
- 9 (1893)
- Date
- 1893-01-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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An Monatsblatt für Israeliten und Freunde Israels. ibre Wmeth Nr. 9. — 4«. Jahrgang. — 1893. Anhalt: Eine Jom-Aippue-Rede. — Ein Missionarsleben in Briefen Fortsetzung). — Christliche Fterbensfreudigkeit. — Aus der jüdischen Presse. — Jüdische Chronik. — Bücherbericht. — Empfangsbescheinigung. Eine Jom-KiMlr-Re-e. Die Scfyaitcn der Nacht sinken auf Stadt und Land herab. Für Israel bedeutet dieser Abend und der kommende Morgen den Versöhnungstag. Derselbe ist der Abschluß des mit dem Monat Cllul beginnenden ^0 tägigen Zeitabschnitts, welcher an den zweiten ^0 tägigen Aufenthalt Moses auf dem Sinai erinnern soll. Cr ist zugleich der (0. Tag des Monats, welcher gegenwärtig das Jahr der Juden eröffnet. Nach ihrem Glauben wird das am Tischri (dem Zorn Haddm) gefällte göttliche Urteil am ^O. versiegelt. Daher kommt es, daß rnancher Sohn, manche Tochter Abrahams, welche sich das ganze Jahr hindurch nicht mehr oder doch nur sehr wenig um Gott und göttliche Dinge bekümmerten, wenigstens heute, an dem letzten der gefürchteten Tage (der Iamim Noraim), sich ihrer religiösen Pflichten erinnern. Sie gleichen den vielen sogenannten Christen, welche am Aarfreitag dem Ruf der Glocken nicht widerstehen können, während sie ihn sorist regelmäßig überhören. Unsere gegenwärtige Jom-Aippur-Feier soll Israeliten und Christen zugleich dienen. Was legt denn eine Vereinigung voll Gliedern des alten und des neuen Bundes gerade an diesem Abend nahe? Auf seiten der Christen, um mit ihnen anzufangen, ist ein allgemeiner und ein besonderer Grund vorhanden. „Ich bin ein Mensch; nichts Menschliches halt' ich für fernliegend." So lefell wir bei einem heidnischen Römer, dem Schriftsteller Teren;. Wieviel mehr sollte ein Christ, der in dem Stifter seiner Airche das Urbild aller edlen Menschlichkeit verehrt und dasselbe in seinem Leben nachzubilden bemüht ist, ein l)erz haben für die Freuden und Leiden, für die Fest- und Fasttage anderer! Wir können das um so inehr verlailgen, je näher ihm diese andern stehen. Die Israeliten, welche jetzt ihren größteli Feiertag begehen, wohnen nicht nur unter uils: sie sind Allgehörige eines Volkes, welches jedem Christen besonders teuer sein muß. Als ich im Frühjahr \8% die Synagoge der Sanlariter in Nablus, bem alten Sichem, besuchte, konnte ich mir sagen: Aus diesem Volk ist jener barlliherzige Mann hervorgegangen, welcher den in Mörderhände gefallenen Israeliten liebreich aufhob und versorgte; diesem Volk gehörte jener. Aussätzige an, welcher nach seiner Heilung die allderll Geheilten durch illllige Dallkbarkeit beschämte; und eine