Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 49 (1893)
- Issue
- 8 (1893)
- Date
- 1893-01-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2554541-2555009-2555017--09281-2565422- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
65 ehe die Blüte fällt. Dann aber, wenn das höhere eingetreten ist, muß das Niedere weichen. „Soll die Glocke auferstehen, muß die Form tu Stücken gehen." „Das Weizenkorn wird n cht lebendig, es sterbe denn." Mir Menschen können uns oft nnr schwer in das Melken des Niederen finden, wir gewinnen die Form lieb, in welche das Wesen der Sache sich für uns kleidete, wir vergessen, daß sie nur eine Übergangssorm war, daß, wenn das vollkommene eintritt, das Unvollkommene aufhören muß. — vom Gesetz zum Evangelium — welch ein Fortschritt! Und doch ist er wohl vorbereitet durch die Führungen Israels, durch die Weissagungen der Propheten. Als aber der Heiland kam und das Reich Gottes in vollendeter Gestalt brachte, da wollten die Juden vom Gesetz nicht lassen, und die große Menge des Volks hängt noch daran bis auf diese Stunde. Ls ging nach Christi eignem Wort: „Es ist niemand, der vom alten Wein getrunken hat und begehre gleich des neuen, denn er spricht: Der alte ist milder." — wiederum, als der Herr sich loslöste von dieser Erde, um zur Herrlichkeit erhoben zu werden, ist es den Jüngern sehr schwer gefallen, sich in den plan Gottes zu finden. Aber es bleibt bei dem, was er selbst sagte: „Ls ist euch gut, daß ich hingehe. Denn so ich nicht hingehe, kommt der Tröster nicht zu euch. So ich aber hingehe, will ich ihn zu euch senden." Es sollte nicht abwärts gehen mit Gottes Reich, sondern wie mit ihm, so mit feilten Jüngern himmelan. Er hat uns nicht verlassen, wir haben sein Wort, das uns tröstet, seinen Geist, der uns immer tiefer in die Wahrheit leitet. Seine Liebe lebt fort in viel tausend frommen Kerzen, und ihr Glaube treibt als seine Bewährung die Frucht guter Werke, wir haben an ihm die Vergebung unserer Sünden, die Gemeinschaft mit Gott. — Und wenn unser Leib einmal welkt und abfällt — wie die Blüte, weil die Frucht des geistlichen Menschen angesetzt hat —, haben wir die Hoffnung, daß es auch mit uns einmal aufwärts gehen wird zu einem Leibe, einer Behausung, die vom Himmel ist (2. Lor. 5, 2), zu einer Gemeinde ohne Sünde (Ebr. \2, 25), zu einem Leben in Herrlichkeit, da wir bei Ihm sind allezeit. ______ S»ip. a. D. Aoehler. Süer WWm 12« äußerte sich einmal die preußische Königin Luise (f |8|o) gegen den evangelischen Bischof Borowski zu Königsberg folgendermaßen: „Je mehr ich nachdenke, desto mehr zieht er in seiner Einfachheit und Lieblichkeit mich cm, und ich weiß nichts, was meiner Stimmung so ernst und milde erhebend und tröstend sich, anschließt, als dies liebe, teure Wort. Der Seelenschmerz, der sich einfach darin ausspricht, ist tief und doch gelassen, ruhig und sanft. Was er wirken und welche Früchte er bringen soll, ist in dem lieblichen Bilde der Saat und Ernte treffend bezeichnet. Die alles Herzeleid tragende und überwiegende Hoffnung geht darin auf wie Morgenröte, und von ferne hört man schon durch die Unglücksstürme die Psalmen der Überwinder. Es wehet ein Geist der Wehmut und doch auch des Sieges, der Ergebung und der frohsten Zuversicht darin: eine Elegie und doch auch ein Hymnus; ein Hallelujah mit Thränen. Ich schaue diesen Psalm an, wie man eine schöne Blume anblickt, auf der ein klarer Tautropfen im Morgenlichte glänzt. Gelesen und wieder gelesen, hat er auch meinem Gedächtnis sich eingeprägt." Zu Kolosser 2, 13 f. In: Morgenland sieht man manchmal über der Thür eines Hauses ein festgenageltes Stück Papier, welches unter dem Wechsel von Regen und Sonnenschein braun und unansehnlich geworden ist. Es ist ein ungültig gemachter Schuldschein. Aus Mitleid mit dem armen, zahlungsunfähigen Schuldner hat der Gläubiger selbst den fälligen Schein angeheftet und dadurch entwertet. Das Papier bleibt dort hängen und überzeugt den befreiten Schuldner täglich davon, daß er nicht einen herrlichen Traum geträumt, sondern einen wirklichen Vorgang erlebt hat. Kleine WisfionszeiLung. Die Berliner Gesellschaft zur Beförderung des Christentums unter den Juden öffnete im letzte:! Jahr 9 Kindern des alten Bundes den Zugang zum neuen. Unter den mehr als 600 Israeliten, welchen sie in den?{ Jahren ihres Bestehens zur Taufe verhelf, sind Leute aus asten Ständen. Einer wirkt in Südafrika als