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Dibre Emeth · 1893-01-01 · 7 (1893) · page 7

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Journal
Dibre Emeth
Volume
49 (1893)
Issue
7 (1893)
Date
1893-01-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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der Aneignung sagt er: ,,Du bist es, der mich in das Studium des N. T. eingeführt, und der mir den U)eg zwischen der Buchstabenknechtschaft und einer hochmütigen Verachtung der Autorität gebahnt hat. Bis zu meiner letzten Stunde werde ich die Erinnerung an Deine Vorlesungen . . unö an den besonderen Umgang mit Dir segnen." Er wünscht der Kirche für die erste Hälfte des kommenden Jahrhunderts einen zweiten Ueander: einen demütigen und tapferen Gelehrten von reinem Kerzen und geradem Simi, für den die wissenschaftliche Arbeit von der Anbetung Gottes unzertrennlich ist. Au Makm 150, 1. 3m Jahr j700 kam ein Katholik zu Rötgen bei Aachen infolge fleißiger Beschäftigung mit dem Neuen Testament zu der Erkenntnis, daß feine Kirche in manchen Punkten von der Wahrheit abgewichen fei. Seine zwei Söhne folgten der Mahnung, welche ihr Vater ihnen noch im Angesicht des Todes erteilt hatte, und lasen ebenfalls fleißig das Buch der Bücher. Andere gesellten sich diesen Bibelfreunden zu, und so entstand eine geistliche Bewegung in dem katholischen Dorf, welche die Kirche vergeblich zu dämpfen suchte. Die frommen Landleute wandteil sich auch an die Evangelischen benachbarter Mrte, tun von ihnen über allerlei Fragen Auskunft zu erhalten. Eintnal nmßte sogar ein Jude dazu helfen, sie irn Glauben an die Wahrheit zil befestigen. Als sie ihre Zweifel über die Berechtig»trg der l^eiligenverehrung dem Ortspriester vorgetragen..hatten, wurden sie von diesem auf Ps. joo, j verwiesen, wo es in der katholischen Übersetzung heißt: „Lobet Gott und seine..heiligen!" Run erfuhren sie von den Evangelisch-Reforrnierten zu Stolberg, ihre Übersetzung laute: „Lobet Gott in seitlern Heiligtum!" Da legten sie, um zur Klarheit zu korntnen, einent 3"^» die Frage vor, wie jene Worte nach dein hebräischen zu übersetzen feien. Er antwortete: „Es liegt mir ebensoviel an den Römisch-Katholischen als an detl Reformiertet!. Aber es heißt nicht: „Lobet Gott und feine heiligen!" sondern: „Lobet Gott in seinem Heiligtum oder in seiner Heiligkeit!'" Dies jüdische Gutachten war einer der Pfeiler der Brücke, auf welcher seit einzelne, \752 sechzig und bald noch mehr Katholiken von Rötgen zur evangelischen Kirche hinüberschrittett. j?78 zählte man daselbst bereits 56 reformierte Familien mit 275 Seelen. 3™ demselben 3ahre wurde dieser Gemeinde, die bis dahin in Stolberg eingepfarrt gewesen war, der öffentliche Gottesdienst in Rötgen und die Anstellung eines eigenen Geistlichen erlaubt. Zu Mark. 14, 8 a. vor etwa 5 3ahren hielt der Schriftführer eines bfilfsvereins der L. in einer kleinen englischen Stadt eine Missionspredigt. Bei dieser Gelegenheit wurde er gebeten, eine arme und kranke alte Frau zu besuchen, welche die 3uden liebte und für sie betete. Die Alte, welche in einem städtischen Armenhause wohnte, hatte selber den Wunsch geäußert, ihn zu sehen, ehe sie sterbe. Der Prediger ging sofort zu ihr. Er hatte nun eine lange Ütiterredung mit der Kranken. Sie war über alles, was die 3uden betraf, genau unterrichtet und sprach mit großem Ernst von der Bedeulung der 3udenmission. Später erfuhr der Missionsprediger von einem Ortsgeistlichen, wie diese Frau eine Missionsfreundin geworden war. Sie hatte in ihrer schweren Krankheit ihren Heiland und so auch das Volk, aus welchem er einst hervorging, lieben gelernt, während des langen Siechtums, von dem sie erst der Tod erlösen sollte, bethätigte sie ihre Liebe zu 3^'ael auf verschiedene weise. Sie verschaffte sich eine Sammelbüchse und bat alle, die sie besuchten, etwas für die Mission einzulegen. So brachte sie in Einem 3ahr 27 Sh. oder Mk. zusammen, von denetl 9 aus Farthings, d. h. Zweipfennigstücken, bestandet!. 3" \2 3ahren, während deren sie nie das Bett verlassen konnte, sandte sie der Missiousgesellschaft mehr als \5 £, also über 500 Mk. Außerdem versammelte sie, sooft sich Gelegenheit dazu bot, Kinder um ihr Bett und sprach mit ihnen über Israels Führungen und Gottes Absichten mit diesen! Volk. Manches Kind lernte von ihr die 3uden lieben und für die 3"den beten. 3etzt weilt sie nicht mehr unter den Lebenden, aber ihr Beispiel und die Lehre, die es uns giebt, sind noch lebendig.

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