Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 49 (1893)
- Issue
- 5 (1893)
- Date
- 1893-01-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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J(. April H89H erfolgten Pensionierung übte er in dieser Stellung einen bedeutenden Einfluß aus. Auch in andern deutschen und außerdeutschen Städten wirkte er segensreich durch Gastpredigten und Vorträge. Einer großen Anzahl von Israeliten öffnete er die Thüre des neutestamentlichen Gottesreiches, in welchem er selber Heil und Seligkeit gefunden hatte. Wie durch sein Wort, so erreichte und beeinflußte er viele durch seine Schriften. M5—Zs gab er eine Wochenschrift zur Förderung christlichen Lebens und Wissens heraus, welche er „Sunem" nannte. Für Langes Bibelwerk verfaßte er Erklärungen der Bücher der Richter und der Ruth. Von der Menge seiner größeren und kleineren Schriften erwähnen wir nur: „Weihnachten" (\862), „Drachenkämpfe" (s86Z), „Weg nach Damaskus" (s87.o), „Christliche Sittenlehre" (s880), „Aritische Sendschreiben über die Probebibel" (s885), „Das sOOOjährige Reich" (s8Z0). Dem Antisemitismus trat er namentlich in einem Sendschreiben gegen Treitschke entgegen. Seine Anschauungen betreffs der Iudenmission entwickelte er in einer s886 erschienenen Abhandlung. Hier giebt er die Zahl der 1(880—85 von ihm getauften Israeliten mit 60 an. Von (886—Z0 kamen weitere (55 hinzu. Auch nachdem er in den Ruhestand getreten war, unterrichtete und taufte er einzelne. Seine Leistungsfähigkeit schien unverwüstlich zu sein. Im Sommer und Winter pflegte er schon von früh 6 Uhr an zu arbeiten. Die evangelisch-theologische Fakultät zu Wien belohnte seine vielseitige wissenschaftliche Thätigkeit mit der Doktorwürde. Sein Tod wurde durch ein bösartiges Geschwür herbeigeführt, welches sich am Nacken gebildet hatte. Seine letzten Worte waren: „Wo ist denn das Himmelreich?" Die Leichenfeier, die am dritten Weihnachtstage stattfand, begann mit einem Gottesdienst in der Thristuskirche, wohin der Sarg gebracht worden war. Pastor Weser predigte über Ioh. (, (2. Zum Schluß sprach Generalsuperintendent Dryander einige Worte. Dann wurde die Leiche nach dem alten Jerusalemer Airchhofe überführt, um hier beigesetzt zu werden. Genau einen Monat nach Paulus Cassels Tode, am 25. Jan. d. I„ verstarb im mosaischen Glauben sein Bruder David. Derselbe war zuletzt Lehrer an der Berliner Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums. Und 2 Monate später, am 2% Febr., ging die Thristuskirche, derentwegen die L. I.-M. feit (89( mit der preußischen Landeskirche, bezw. der Berliner Dreifaltigkeitsgemeinde, in Unterhandlungen stand, durch gerichtliche Entscheidung in den Besitz der letzteren über. Der Hauptgrund, welcher die Gesellschaft zum Verkauf des Gotteshauses bewog, war ihre finanzielle Notlage. Diese gestattete es ihr nicht, die notwendig gewordenen baulichen Veränderungen der Airche ausführen zu lassen. Vom Gesichtspunkt der Mission aus betrachtet, ist die Verwandlung derselben in eine parochialkirche sehr zu bedauern. Me Jerichorose besteht aus einem faust- oder fäustchengroßen Gewirre von zusammengeschrumpften, kahlen, holzigen Asten, die unten in eine fingerlange,